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RGOW 2015 03: Jan Hus

RGOW 2015 03: Jan Hus

Thomas Krzenck: Jan Hus – Theologe, Kirchenreformer, Märtyrer
Aus bescheidenen Verhältnissen stammend legte Jan Hus eine theologische Karriere hin und avancierte zu einem der charismatischsten Prediger in Prag. Durch seine öffentliche Kritik an kirchlichen Missständen und seine Bezugnahme auf den englischen Kirchenreformer John Wyclif geriet Hus in Konflikt mit der kirchlichen Hierarchie. Im Zuge eines Ketzerprozesses wurde Jan Hus auf dem Konstanzer Konzil zum Tod auf dem Scheiterhaufen verurteilt.

Thomas A. Fudge: Die hussitische Bewegung im spätmittelalterlichen Böhmen
Die hussitische Bewegung versetzte die spätmittelalterliche Welt mit ihren religiösen und sozialen Forderungen in Aufruhr. Zentrale Anliegen der Bewegung, bei der auch Frauen eine aktive Rolle spielten, waren der Laienkelch und eine moralische Erneuerung der Kirche. In fünf Kreuzzügen versuchten der Papst und der römisch-deutsche König den Hussiten Herr zu werden. Die Hussitenkriege führten zu enormen Verwüstungen in den böhmischen Ländern.

Barbara Hallensleben: Wie durch Feuer – Jan Hus und die Aufgabe der Kirchenreform
Angesichts des Großen Abendländischen Schismas und der zunehmenden Verweltlichung des kirchlichen Verwaltungssystems war die Aufgabe der Kirchenreform eines der zentralen Anliegen der Zeit des Jan Hus. In den Mittelpunkt trat dabei die Frage „Wo ist die wahre Kirche?“. Für Jan Hus war es unsichtbare Versammlung der Prädestinierten, die er der hierarchisch verfassten Kirche gegenüberstellte, und die ihm als Grundlage seiner Kritik an den kirchlichen Missständen diente.

Erich Bryner: „Wir sind alle Hussiten“ – Jan Hus und die Reformation
Die Reformatoren haben sich in vielfacher Weise auf Jan Hus und dessen Hinrichtung auf dem Konstanzer Konzil bezogen. Luther, Zwingli und Bullinger beriefen sich bei Lehrauseinandersetzungen während der frühen Reformation immer wieder auf Jan Hus. Luther bekannte: „Wir sind alle Hussiten ohne es zu wissen“. Mit Verweis auf die Verurteilung von Jan Hus zweifelte Zwingli den Wert der Konzile an. Die Forderung von Hus nach dem Abendmahl unter beiderlei Gestalt nahmen die Reformatoren auf.

Jan-Andrea Bernhard: Die Beziehungen zwischen den Böhmischen Brüdern und Zürich
Die Böhmischen Brüder setzten sich den 1520er Jahren intensiv mit den Schriften der Reformatoren auseinander. Neben den Kontakten nach Wittenberg war auch die Zürcher Reformation in Böhmen und Mähren bestens bekannt. Die Schriften Zwinglis und Bullingers waren weithin verbreitet. Die Confessio Bohemica war der Versuch eines vermittelnden Bekenntnisses im Sinne eines Vergleichs zwischen Lutheranern, Reformierten und Böhmischen Brüdern.

Jaroslav Šebek: Transformationen der tschechischen Erinnerungskultur an Jan Hus
Mit dem Aufkommen der tschechischen Nationalbewegung im 19. Jahrhundert wurde Jan Hus vor allem als Vorkämpfer eines unabhängigen tschechischen Staates gedacht. Auch für die in der Zwischenkriegszeit neu entstandene Evangelische Kirche der Böhmischen Brüder und der Tschechoslowakischen Kirche spielte die Berufung auf Hus eine zentrale Rolle. Das sozialistische Regime porträtierte die Hussiten dagegen als Klassenkämpfer. In den letzten Jahrzehnten gibt es jedoch Bemühungen um eine objektivere Wahrnehmung von Jan Hus.

Gerhard Frey-Reininghaus: Gedenken der evangelischen Kirchen im heutigen Tschechien an Jan Hus
Die Evangelische Kirche der Böhmischen Brüder und die Tschechoslowakische Hussitische Kirche gestalten gemeinsam das Hus-Gedenkjahr in Tschechien. Höhepunkt des Gedenkjahres sind die Feierlichkeiten am Todestag von Jan Hus (5./6. Juli) auf dem Prager Altstädter Ring. Das Hus-Jahr stellt auch eine ökumenische Herausforderung dar, gilt es doch die Frage zu beantworten, wie das Gedenken an Jan Hus die Kirchen einen und nicht entzweien kann.