RGOW 11/2017: Evangelische Freikirchen in Russland, der Ukraine und Belarus

rgow cover 2017 11Evangelische Gemeinschaften wie Baptisten, Mennoniten, Pfingstchristen, Charismatiker in Russland, der Ukraine und Weißrussland stehen im Mittelpunkt unserer Novemberausgabe. Die postsowjetische freikirchliche Szene befindet sich in einem stürmischen Umbruchsprozess, der sich vor allem in der Suche nach dem eigenen Platz in den mehrheitlich orthodox geprägten Ländern spiegelt. 
Einerseits betonen die russischen Freikirchen ihre eigene Tradition gegenüber den westlichen Glaubensgeschwistern, andererseits haben sie nach wie vor mit dem Misstrauen der anderen Religionsgemeinschaften und des Staates zu kämpfen. Gegenwärtig sorgen die unterschiedlichen Bewertungen der Ereignisse in der Ostukraine und auf der Krim für Entfremdungsprozesse zwischen russischen und ukrainischen Freikirchen. Eine zentrale Frage ist, ob und wie die teilweise noch von der zu sowjetischen Zeiten herausgebildeten religiösen Subkultur geprägten Freikirchen mit der modernen Welt in Dialog treten können. Anerkennung erfahren sie zum Teil für ihre sozialdiakonischen Tätigkeiten.

 

pdfInhaltsverzeichnis und Editorial

Leseprobe:

Roman Lunkin: Die Kirchen angesichts des russisch- ukrainischen Konflikts

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IM FOKUS

Natalija Zenger: Umstrittener Historienfilm Matilda in russischen Kinos angelaufen

EVANGELISCHE FREIKIRCHEN

Nadezhda Beljakova: Evangelische Freikirchen in der Sowjetunion
Die Russische Revolution bescherte den evangelischen Freikirchen anfangs neue Freiheiten und Handlungsspielräume, doch schon bald wurden auch sie zu Opfern der antireligiösen Kampagnen. Zu einer Änderung der Religionspolitik gegenüber den Freikirchen kam es im Zweiten Weltkrieg, die in der Gründung des Allunionsrats der Evangeliumschristen-Baptisten gipfelte. Neben den registrierten Gemeinden gab es weiterhin viele nichtregistrierte Gemeinden, was deren dynamisches Wachstum jedoch nicht verhinderte.

Oksana Kuropatkina: Evangelische Freikirchen im heutigen Russland
Die evangelischen Freikirchen sind eine religiöse Minderheit im heutigen Russland. Dennoch sind sie aufgrund ihrer Jugend- und Sozialarbeit eine der dynamischsten Gruppen der russischen Gesellschaft. Sie pflegen ihre Identität als Bürger Russlands und weisen eine hohe ethnische Toleranz auf. Gleichzeitig haben sie mit gesellschaftlichem Misstrauen und neuen Einschränkungen missionarischer Tätigkeit zu kämpfen.

Elena Stepanova: Rehabilitationszentren evangelischer Freikirchen in Russland
Viele evangelische Freikirchen in Russland engagieren sich mit Rehabilitationsprogrammen für Drogen- und Alkoholabhängige. Charakteristisch für die Reha-Zentren ist deren missionarischer Ansatz in Verbindung mit körperlicher Arbeit. Die angestrebte verbesserte Kooperation mit staatlichen Behörden gestaltet sich schwierig, zudem werden die Zentren immer häufiger Opfer von Schikanen.

Roman Lunkin: Die Kirchen angesichts des russisch-ukrainischen Konflikts
In der Bewertung des Euromajdan und der anschließenden Ereignisse sind die Kirchen in Russland und der Ukraine gespalten. Während die russische Regierung evangelische Freikirchen der Kooperation mit ukrainischen Glaubensgeschwistern verdächtigt, werden in der Ukraine die Ukrainische Orthodoxe Kirche–Moskauer Patriarchat wie auch russische Freikirchen für ihre Loyalität gegenüber Russland kritisiert. Auf der Krim zeigt sich die angespannte Situation unter den Kirchen besonders deutlich.

Olena Panych: Die Evangeliumschristen-Baptisten in der Ukraine
Die Evangeliumschristen-Baptisten sind die größte protestantische Gemeinschaft in der Ukraine. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion legten die Gemeinden ein stürmisches Wachstum hin, gleichzeitig kam es aber auch zu internen Spaltungen. Gegenwärtige Herausforderungen sind die Entwicklung von theologischen Bildungsinstitutionen sowie der Umgang mit der zu sowjetischen Zeiten herausgebildeten eigenen religiösen Subkultur.

Andriy Dudchenko: Orthodoxe und Baptisten in der Ukraine
Orthodoxe und Baptisten in der Ukraine teilen mehr Gemeinsamkeiten als gemeinhin angenommen. Berührungspunkte finden sich in der gemeinsamen Geschichte sowie in ähnlichen exegetischen und liturgischen Traditionen. In jüngster Zeit sind zudem interkonfessionelle Projekte an Universitäten entstanden.

Paula Borowska: Sozial engagiert, öffentlich unsichtbar – Freikirchen in Belarus
Evangelische Kirchen und Gemeinschaften stellen in Weißrussland eine verschwindende Minderheit dar. Zudem haben sie mit gesellschaftlichen Vorurteilen und politischen Restriktionen zu kämpfen. Durch ihr soziales Engagement ist es ihnen gelungen, sichtbarer zu werden und zum Teil auch staatliche Unterstützung zu erhalten. Das diesjährige Reformationsjubiläum bietet den evangelischen Christen die Chance, auf ihre Anliegen aufmerksam zu machen. 

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