RGOW 11/2016: Die Orthodoxe Kirche nach dem Konzil

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Seit dem Panorthodoxen Konzil auf Kreta sind vier Monate vergangen und die Rezeption seiner Dokumente hat Gestalt angenommen. Doch kann angesichts der Abwesenheit von vier orthodoxen Lokalkirchen von einem "panorthodoxen" Konzil gesprochen werden? Die Gründe für das Fernbleiben und die Positionen der Russischen Orthodoxen Kirche, der Bulgarischen Orthodoxen Kirche und der Georgischen Orthodoxen Kirche untersuchen wir in dieser Ausgabe.
Als zu kontrovers für das Konzil galt die Problematik der Ukrainischen Orthodoxie. Welche Erwartungen und Hoffnungen bestehen in der Ukraine hinsichtlich des weiteren konziliaren Prozesses? Ebenfalls ausgeklammert wurde die Frage nach der Rolle der Frauen in der Orthodoxie, auch in den Delegationen waren sie kaum vertreten. Diese offen gebliebenen Fragen und den Stand der Debatten darüber betrachten wir näher.

 

pdfInhaltsverzeichnis und Editorial

Leseprobe:
Martin Illert: Die Bulgarische Orthodoxe Kirche und die "Große und Heilige Synode"

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Im Fokus: Parlamentswahlen in Russland
Alexander Kynev über eine absehbare Kampagne mit unabsehbaren Folgen

GEORGIEN

Tamara Grdzelidze: Papst Franziskus zu Besuch in Georgien
Vom 30. September bis 2. Oktober hat Papst Franziskus Georgien und Aserbaidschan besucht. In vielen Medien erfuhr die Papstreise ein eher kritisches Echo. Demgegenüber weist die Autorin auf die positiven Aspekte der Begegnung zwischen Papst Franziskus und dem georgischen Patriarchen hin.

PANORTHODOXES KONZIL

Ioan Moga: Die Orthodoxe Kirche nach dem Konzil auf Kreta
Nach dem Konzil auf Kreta hat der Rezeptionsprozess seiner Beschlüsse begonnen. Die Reaktionen in der orthodoxen Welt schwanken zwischen Begeisterung, Ernüchterung und Ablehnung. Entscheidend wird vor allem der Umgang mit den rigoristischen und fundamentalistischen Stimmen sein, die das Konzil rundherum ablehnen.

Sergej Tschapnin: Das Panorthodoxe Konzil ohne Russische Orthodoxe Kirche
Die Russische Orthodoxe Kirche sagte kurzfristig ihre Teilnahme am Panorthodoxen Konzil ab. Als offiziellen Grund nannte sie die Absage von drei anderen orthodoxen Kirchen und das somit verletzte Konsensprinzip. Doch der eigentliche Grund für den Rückzug scheint die unerwartet heftige Kritik in Russland an den Entwürfen der Konzilsdokumente gewesen zu sein. Die Ergebnisse des Konzils hingegen werden in Russland kaum rezipiert.

Martin Illert: Die Bulgarische Orthodoxe Kirche und die „Heilige und Große Synode“
Die Bulgarische Orthodoxe Kirche war die erste orthodoxe Kirche, die ihre Teilnahme am Panorthodoxen Konzil absagte. In der Presse wurde dafür häufig russischer Einfluss geltend gemacht. Ausschlaggebend für den Entscheid war jedoch der innerkirchliche Widerstand gegen die Ökumene, der die Bulgarische Orthodoxie bereits seit über zwei Jahrzehnten prägt. Vielfach wird in der innerbulgarischen Diskussion Distanzierung von der Ökumene mit einer Abgrenzung vom Kommunismus gleichgesetzt.

Andriy Dudchenko: Das Panorthodoxe Konzil aus ukrainischer Perspektive
Am Panorthodoxen Konzil stand die Lösung des ukrainischen innerorthodoxen Schismas nicht auf dem Programm. Das Schisma betrachtet man in der Ukraine jedoch nicht nur als lokale, sondern als zentrale Herausforderung für die Gesamtorthodoxie. Die Hoffnungen richten sich nun auf den weitergehenden konziliaren Prozess, von dem auch eine Lösung für die schwierige Situation der ukrainischen Diaspora erwartet wird.

Mirian Gamrekelashvili: Warum die Georgische Kirche der Synode auf Kreta fernblieb
Die Orthodoxe Kirche von Georgien lehnt insbesondere das Ehedokument der Synode von Kreta ab und begründete so ihre Nichtteilnahme am Konzil. Bei der kurzfristigen Absage spielte jedoch auch die Orientierung am Verhalten der Russischen Orthodoxen Kirche eine wichtige Rolle. Erste Reaktionen auf die Beschlüsse von Kreta verheißen nichts Gutes und bergen die Gefahr, dass sich die Kirche innerhalb der orthodoxen Welt zunehmend selbst isoliert.

Natallia Vasilevich: Die Stille der Frauen am Heiligen und Großen Konzil
Die Stellung der Frau in der Kirche stand nicht auf der Traktandenliste des Heiligen und Großen Konzils, obwohl diesbezüglich praktische Empfehlungen einer vorkonziliaren Konferenz seit 1988 auf ihre Umsetzung warten. Darunter befindet sich der Vorschlag, das Amt der Diakonin wieder aufleben zu lassen. Diverse Vorstöße von orthodoxen Theologinnen zwecks breiterer weiblicher Beteiligung am Konzil blieben weitgehend unbeachtet. Die Konzilsdokumente bieten jedoch eine Grundlage zur Wiederbelebung der „orthodoxen Frauenfrage“.

ORIENTALISCHE KIRCHE

Wolfgang Schwaigert: Die Äthiopisch-Katholische Kirche
Die Äthiopisch-Katholische Kirche ist eine kleine, aber wachsende Minderheitenkirche im Vielvölkerstaat Äthiopien. Wie die Äthiopische Orthodoxe Kirche folgt sie in der Liturgie dem alexandrinischen Ritus. Die Ordensleute sind vor allem in der Schul- und Bildungsarbeit engagiert.

Wolfgang Schwaigert: Die Eritreisch-Katholische Kirche
Die Eritreisch-Katholische Kirche ist die jüngste der mit Rom unierten Ostkirchen. Sie entstand erst Anfang 2015 nach der Trennung von der Äthiopisch-Katholischen Kirche. Eine bedeutende Rolle im kirchlichen Leben spielen die Orden. Mit dem Beitrag zur Eritreisch-Katholischen Kirche endet die Reihe zu den orientalischen-katholischen Kirchen, die der Autor dankenswerter Weise zwischen 2014 und 2016 in RGOW vorgestellt hat.

Zum Panorthodoxen Konzil siehe auch RGOW 11-12/2014, RGOW 6-7/2016 und unter der Rubrik Öffentlichkeitsarbeit.

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