RGOW 6-7/2016: Wendezeiten

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In mehreren ostmitteleuropäischen Ländern lässt sich ein Erstarken populistischer Parteien beobachten - angesichts krisenhafter internationaler Entwicklungen lockt der Rückzug auf das Nationale. Den Ursachen dafür in Polen, Ungarn und der Slowakei gehen wir in diesem Heft auf den Grund. Krisenerprobt bzw. krisengeplagt sind auch Makedonien und die Ukraine, deren jüngste politische Entwicklung ebenfalls beleuchtet werden.
Der zweite Schwerpunkt liegt beim für 19. bis 26. Juni geplanten Panorthodoxen Konzil. In diesem Heft stellen wir die nicht unumstrittenen Konzilsvorlagen zur Ökumene und zur „Mission der Orthodoxen Kirche in der modernen Welt“ vor.

 

pdfInhaltsverzeichnis und Editorial

Leseprobe:
Reinhold Vetter: Europa in der Krise. Nationalkonservative in Polen und Ungarn

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IM FOKUS
Irena Ristić: Wenn der Schuss nach hinten losgeht: vorgezogene Neuwahlen in Serbien 2016

PANORTHODOXES KONZIL

Alexander Agadjanian: Die moderne Welt aus der Sicht der Orthodoxen Kirche
Das Dokument „Die Mission der Orthodoxen Kirche in der modernen Welt“ dient als Konzilsvorlage zur Beschreibung des Verhältnisses der Kirche zur heutigen Welt. In ihm spiegeln sich verschiedene einflussreiche orthodoxe Denkströmungen im 20. Jahrhundert wider. Bei der Endredaktion hat das Dokument in den letzten beiden Jahren eine Akzentverschiebung von einem liberaleren Freiheitsverständnis zu einem Verantwortungskonservatismus erfahren.

Jennifer Wasmuth: Orthodoxie „in dieser Welt“: Positionsbestimmungen zum Panorthodoxen Konzil
Zu den bereits im Vorfeld veröffentlichten Konzilsvorlagen für das Panorthodoxe Konzil zählen auch die beiden Texte zu den Beziehungen der Orthodoxen Kirche zur „modernen Welt“ und zu anderen christlichen Kirchen. Obwohl gewisse in den 1960–80er Jahren formulierte Inhalte einen Gegenwartsbezug vermissen lassen und einige Begriffe ungeklärt bleiben, werden wichtige Themen wie Menschenwürde, Wirtschaft, Ökologie und Friedenssicherung angesprochen. Vor allem überrascht das klare Bekenntnis zur ökumenischen Zusammenarbeit.

Zu den Konzilsvorbereitungen siehe auch RGOW 11-12/2014 und unter der Rubrik Öffentlichkeitsarbeit.

WENDEZEITEN

Reinhold Vetter: Europa in der Krise – Nationalkonservative in Polen und Ungarn
Nationalismus, Populismus, völkisches Denken und Autoritarismus sind in ganz Europa im Aufwind. Dies zeigt sich auch am Aufstieg nationalkonservativer Parteien in Ungarn und Polen, wo die jeweiligen Regierungsparteien einen radikalen Umbau des politischen Systems verfolgen. Der Rückzug auf das Nationale angesichts der Bedrohung durch eine internationale krisenhafte Entwicklung ist auch in Westeuropa zu beobachten, während das Vertrauen in die Institutionen der EU sinkt. – Bei dem Beitrag handelt es sich um den Vortrag, den Reinhold Vetter an der Jahresveranstaltung von G2W am 26. Mai 2016 an der Universität Zürich gehalten hat.

Gerhard Simon: Der Weg der Ukraine: Von Krise zu Krise?
Schon zweimal ist es der ukrainischen Zivilgesellschaft auf dem Majdan gelungen, autoritäre Tendenzen abzuwenden. Trotz schleppend verlaufender Reformen und schwer aufzulösender korrupter Strukturen wurde seit dem Euromajdan vor zwei Jahren einiges erreicht. Die weiterhin aktive Bürgerbewegung lässt hoffen, dass die Ukraine ihren Weg der europäischen Integration weiter fortsetzt.

Andriy Mykhaleyko: Die ukrainischen Kirchen nach dem Majdan
Während der Majdanproteste von 2014 hat sich zwischen den ukrainischen Kirchen eine neue Form der ökumenischen Zusammenarbeit entwickelt. Die konfessionelle Vielfalt der Ukraine ist dabei Chance und Bürde zugleich. Einerseits eröffnet sie Möglichkeiten eines pluralistischen Miteinanders bei der zivilgesellschaftlichen Entwicklung, andererseits gilt es, gewichtige außenpolitische und kirchenpolitische Herausforderungen zu meistern.

Oľga Gyárfášová: Überraschende Wahlen und „Patchwork“-Koalition in der Slowakei
Bei den Parlamentswahlen in der Slowakei im März 2016 hat die bisher allein regierende linke Smer erdrutschartige Verluste eingefahren. Zu den Wahlgewinnern gehört dagegen die rechtsextreme Partei des Regionalpräsidenten Marian Kotleba, der immer wieder mit Hetze gegen Roma aufgefallen ist. Eine herausragende Rolle im Wahlkampf spielte die Flüchtlingsthematik, die jedoch von den meisten Parteien negativ aufgegriffen wurde, was den Nationalisten und Rechtsextremen in die Hände gespielt hat.

Ilina Mangova: Makedonien in der Dauerkrise
Seit zwei Jahren befindet sich Makedonien in einer politischen Dauerkrise. Die Unfähigkeit zu einem politischen Kompromiss und mehrere Affären lähmen das Land. Dafür ist die Zivilgesellschaft aktiv geworden und protestiert in der sog. „Bunten Revolution“ gegen die korrupten Machenschaften der Regierenden. Zudem hat sich die Sonderstaatsanwaltschaft, die Verdachtsmomente aus der „Abhöraffäre“ untersucht, zu einem Symbol für Rechtstaatlichkeit entwickelt.

ORIENTALISCHE KIRCHE

Wolfgang Schwaigert: Die Koptisch-Katholische Kirche
In Ägypten haben die politischen Entwicklungen der letzten Jahre die zahlenmäßig kleine Gemeinschaft der katholischen Kopten zunehmend verunsichert. Das Verhältnis zur deutlich größeren Koptischen Orthodoxen Schwesterkirche war lange Zeit angespannt, erst unter dem aktuellen koptisch-orthodoxen Papst Tawadros II. haben sich die Beziehungen zwischen den beiden Kirchen deutlich verbessert.

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