Frankreich: Erzbischof Gabriel (De Vylder) tritt von seinem Amt zurück

Wegen einer schweren Krebserkrankung ist Erzbischof Gabriel (De Vylder) von Komana, das Oberhaupt des „Erzbistums russisch-orthodoxer Kirchen in Westeuropa – Exarchat des Ökumenischen Patriarchats“ mit Sitz in Paris, am 15. Januar von seinem Amt zurückgetreten.

Der Hl. Synod des Ökumenischen Patriarchats hat seine Demission angenommen. Die Wahl eines neuen Erzbischofs durch die aus Laien und Geistlichen gebildete Diözesanversammlung wird in einigen Monaten erwartet.

Der Diözesanrat des Erzbistums informierte in einer Erklärung, dass Erzbischof Gabriel in seiner Eigenschaft als Vorsteher der Hl. Alexander Nevskij-Kathedrale bis zur Wahl und Inthronisierung seines Nachfolgers Erzpriester Alexis Struve zum interimistischen Nachfolger ernannt habe. Für die laufenden Amtsgeschäfte hat der Diözesanrat das Ökumenische Patriarchat um die Ernennung eines Statthalters des erzbischöflichen Throns gebeten, der das Patriarchat umgehend nachkam und am 16. Januar den Metropolit Emmanuel (Adamakis) von Frankreich zum interimistischen Oberhaupt des Exarchats ernannte. Metropolit Emmanuel ist auch Präsident der Konferenz Europäischer Kirchen und vertritt das Ökumenische Patriarchat bei der EU in Brüssel. Erzbischof Gabriel, mit bürgerlichem Namen Guido De Vylder, wurde am 13. Juni 1946 bei Gent geboren. Nach dem Studium der katholischen Theologie und Philosophie konvertierte er 1974 zur Orthodoxie. Zwei Jahre später empfing er die Priesterweihe. Von 1976 bis 2001 wirkt er als Priester mehrerer orthodoxer Gemeinden in den Niederlanden und in Belgien. Am 24. Juni 2001 empfing er die Bischofsweihe und wurde Vikar von Erzbischof Sergij (Konovalov), dem damaligen Oberhaupt des Exarchats.

Nach dessen Tod wählt ihn die Diözesanversammlung des Erzbistums 2003 zum Oberhaupt des Exarchats. Das Wirken von Erzbischof Gabriel fiel in eine schwierige Zeit: Nach anfänglicher Freude über die neugewonnene Freiheit der Russischen Orthodoxen Kirche nach dem Zusammenbruch der UdSSR kam es wiederholt zu Jurisdiktionsstreitigkeiten mit dem Moskauer Patriarchat (s. in diesem Heft, S. 22–24). In seinem Abschiedsbrief vom 8. Januar bat Erzbischof Gabriel seine Herde um Vergebung für seine Fehler, aber ebenso darum, jenen zu verzeihen, die „uns wehgetan haben“. An die Gläubigen appellierte er: „Halten Sie trotz aller Unbill am Glauben und an der Hoffnung auf Gottes Wort fest – es ist das Unterpfand unserer Rettung und die Stärkung unserer Kirche. Die Freiheit der Kirche und der universale Charakter des orthodoxen Glaubens sind die beiden Schätze, die ich versucht habe, nach dem Vorbild meiner Amtsvorgänger zu bewahren, damit es uns gelinge, uns auf das in den Augen der Jünger des Herrn ‚einzig Notwendige‘ zu konzentrieren: ‚Sucht zuerst das Reich Gottes und Seine Gerechtigkeit‘ (Mt 6,33). […] Bewahren Sie Liebe und Eintracht, es gibt nichts, was in der Kirche kostbarer wäre.“

www.exarchat.eu, 8. Januar; www.pravmir.ru, 15., 17. Januar 2013 – O. S.

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