Schweiz: Ökumene-Tagung mit Kurt Kardinal Koch und Gottfried Locher
Kardinal Koch ging in seinem Vortrag auf das ökumenische Wirken der Päpste seit den 1960er Jahren ein, deren Engagement für die Einheit der Christen häufig zu wenig bekannt sei. Er rekapitulierte die wichtigsten päpstlichen Initiativen von Johannes XXIII. bis Benedikt XVI. und betonte nachdrücklich, dass die Ökumene aus Sicht des kirchlichen Lehramtes nicht Kür, sondern Pflicht und irreversibel sei. Zugleich machte er jedoch auch deutlich, dass das Ziel der Ökumenischen Bewegung – «sichtbare Einheit im Glauben, in den Sakramenten und in den kirchlichen Ämtern» – noch nicht erreicht sei; vielmehr sei das Ziel in den letzten Jahren «immer undeutlicher geworden». So konstatierte der Kardinal: «Wir sind uns in der Ökumene auch heute noch uneinig über ihr Ziel und haben unterschiedliche Zielvorstellungen. Darin besteht die prekäre Situation der Ökumene heute.» Um in der Ökumene weiter zu kommen, sei daher vordringlich eine Besinnung auf die weitere ökumenische Reise vonnöten, so Kardinal Koch.
Für Gottfried Locher ist das Grundproblem in der Ökumene das Thema Wandlung bei der Eucharistie bzw. beim Abendmahl. Beide sind für Locher nicht zwei gänzlich unterschiedliche Dinge: Eucharistie heiße Danksagung, Abendmahl sei Dank, Erinnerung und Vergegenwärtigung – Abendmahl sei also auch Eucharistie, diese folge bloß einer anderen Logik. An der Stelle, wo in der katholischen Kirche die Wandlung vollzogen werde, stehe in der reformierten Kirche die Predigt. Das Wort Gottes hätte eine Wandlung zur Folge – Wandlung durch das gesprochene Wort. Das unterschiedliche Wandlungsverständnis forme, so Locher, unterschiedliche Kirchenverständnisse, daher «bedingt kirchliche Annäherung Annäherung im Wandlungsverständnis». Eine Annäherung gebe es nur dann, wenn «wir das Verständnis von Wandlung gegenseitig begreifen und anerkennen» – das sei der Schlüssel zu Einheit. Zum Schluss bat der SEK-Präsident Kardinal Koch, sich für eucharistische Gastfreundschaft einzusetzen, denn ohne persönliches Erleben könne kein Verständnis wachsen.
Maria Voce plädierte für die Pflege der zwischenmenschlichen Beziehungen. Dies sei einer der wichtigsten Impulse zur Ökumene. Eine «Ökumene des Lebens» sei eines der wirkmächtigsten Zeugnisse der Christen.
Stefan Kube



