Frankreich: Bau des neuen russischen Kulturzentrums in Paris vorläufig ausgesetzt
Der Präfekt von Paris und Île de France, Daniel Canepa, hat den Antrag Russlands auf Baubewilligung für das russisch-orthodoxe Kulturzentrum am Quai d’Orsay im Zentrum von Paris zurückgewiesen (s. G2W 6/2011, S. 3)
: Der Entwurf in seiner jetzigen Form entspreche nicht dem zum Weltkulturerbe der UNESCO zählenden architektonischen Ensemble am Seine-Ufer, berichtete die Internetseite der Zeitung «Le Parisien» am 16. November.
Im März 2010 hatte die russische Regiegurng ein großes Grundstück unweit des Eiffelturms in bester Lage erworben, um dort ein Kulturzentrum zu errichten. Für das Bauvorhaben hatte sie einen internationalen Architekturwettbewerb ausgeschrieben, als dessen Sieger der Entwurf eines spanisch-russischen Architekten hervorging. Das Herzstück dieses Entwurfs bildet eine von einem gläsernen Baldachin bedeckte Kreuzkuppelkirche mit fünf vergoldeten Kuppeln, der ein Begegnungszentrum, eine Bibliothek, ein Priesterseminar und ein Park ange- schlossen sind. Im März 2011 stellte die russische Botschaft in Paris den Entwurf der Öffentlichkeit vor. Anne Hidalgo, Erste Stellvertreterin des Pariser Bürgermeisters, kritisierte, sie selbst sowie mehrere weitere Pariser Abgeordnete seien zwar in die Jury berufen worden, doch habe man ihnen lediglich Beob- achterstatus eingeräumt. Die Entscheidung der Jury, bestehend aus russischen Prominenten, mehreren Geistlichen der Russischen Orthodoxen Kirche und einigen Architekten, habe bei ihren Kollegen «nicht gerade einen Begeisterungssturm ausgelöst».
Bürgermeister Bertrand Delanoë, der in dieser Angelegenheit nicht weisungsbefugt ist, hatte sich wiederholt gegen den Entwurf ausgesprochen, da er die architektonische Harmonie des Pariser Stadtzentrums zerstöre (s. RGOW 6/2012, S. 4). Seiner Kritik haben sich mittlerweile weitere französische Beamte sowie zahlreiche Anwohner des 7. Arrondissements angeschlossen.
Am 21. November bat Russland Frankreich, die Frist für die Baubewilligungsprüfung zu verlängern. Daraufhin erklärte der französische Botschafter in Moskau, Jean de Gliniasty, gegenüber der Presse, seine Regierung habe Russland vorgeschlagen, einen neuen Architekturwettbewerb auszuschreiben, dessen Sieger in die Arbeit des bereits vorliegenden Entwurfs mit einbezogen werden solle, um jede weitere Verzögerung zu vermeiden. Frankreich und Russland hätten den politischen Willen zum Bau des Kulturzentrums, für Frank- reich sei dieses Vorhaben ein Symbol für die enge Zusammenarbeit beider Länder. www.pravmir.ru, 26. November; www.portal-credo.ru, 16., 27. November 2012 – O.S.