Deutschland: Renovabis-Kongress 2012: "Heute den Glauben entdecken"

Mit Bezug auf das von Papst Benedikt XVI. ausgerufene «Jahr des Glaubens» hat sich der diesjährige 16. Internationale Kongress von Renovabis, dem Osteuropa-Hilfswerk der deutschen Katholiken, mit neuen Wegen der Evangelisierung in Europa beschäftigt.

Der Hauptgeschäftsführer von Renovabis, Pater Stefan Dartmann, betonte dabei gleich zu Beginn die Notwendigkeit einer Selbstvergewisserung des Glaubens in einem zunehmend pluralistischen und säkularen Umfeld: «Glaube braucht eine bestimmte Plausibilität. Bevor man fragen kann, welche konkreten Wege und Mittel der Kirche heute für eine Evangelisierung offenstehen, muss erst einmal deutlich werden, worin diese Plausibilität für den modernen europäischen Menschen bestehen könnte.» Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch von Freiburg, erinnerte die 370 Teilneh- mer aus 30 Ländern daran, dass das Christentum seit Jahrhunderten die Kultur in Europa mitgestalte und rief die Christen aller Konfessionen auf, sich auf die gemeinsamen Wurzeln zu be- sinnen und zusammen aktuellen Herausforderungen zu begegnen.

Der Prager Soziologe und Präsident der Tschechischen Christlichen Akademie, Thomáš Halík, setzte in seinem Vortrag «Geduld mit Gott – Geduld mit den Menschen» die Begriffe «Evangelisation» und «Christianisierung», verstanden als Christlichmachung, einander gegenüber. Letzterer bezeichne das Streben nach Expansion des Christentums, nach der «Bekehrung der Heiden», während Evangelisation «ein Bemühen um eine ‹Bekehrung der Christen›, um ein Abrü- cken von dem selbstsicheren ‹Christsein› zu einem demütigen ‹Christwerden› hin» bedeute. Zum Glück sei es in der Geschichte des Christentums immer wieder zu solch alternativen Formen zu einem statisch und konformen erstarrten Christentum gekommen. Auch heute stünden die Gläubigen wieder vor dem Kreuz – und einem Dilemma: «Wird das Kreuz für uns eine Kampfstandarte sein, eine nostalgische Erinnerung an jene Zeiten, in denen es das Zeichen des Triumphalismus und der Macht war? Werden wir die ‹neue Evangelisation› als eine Reconquista verstehen, als eine Re-Christianisierung, ‹religiöse Mobilisation›, getragen von der Nostalgie nach einer untergegangenen Zivilisation, der Christianitas? Oder werden wir die kenotische Sendung des Kreuzes begreifen?»

Halík, Priester und Dissident zu sozialistischen Zeiten, rief zu einer Rückbesinnung auf die Kenosis auf: «Jeder von uns muss ‹den Menschen gleich werden›, muss die Solidarität mit den Menschen unserer Zeit ernst nehmen. [...] Das, was uns von der Masse der Menschen um uns herum unterscheiden wird, werden nicht Kreuze auf Bannern sein, sondern jene Bereitschaft ‹die Knechtsgestalt anzunehmen›. Diese Lebensausrichtung (kenosis, Selbstverzicht) bedeutet inmitten einer vor- wiegend auf materiellen Erfolg ausgerichteten Zivilisation eine auffallend non-konforme Stellungnahme.» Halík bleibt hoffungsvoll: «Die ‹neue Evangelisation› wird viel Geduld verlangen: sie muss mit einer Therapie unseres Glaubens beginnen, damit Christus seine Kirche sowie die Welt heilen kann.»

Auf die Herausforderungen, was es be- deutet von Gott in einem säkularen Umfeld zu sprechen, ging am zweiten Konferenztag Hubertus Schönemann, Leiter der Katholischen Arbeitsstelle für missionarische Pastoral in Erfurt, am Beispiel der Situation in (Ost-)Deutschland ein. In der derzeitigen Umbruchssituation von Kirche und Pastoral gehe eine bestimmte historische Kirchenge- stalt zu Ende und eine neue zeichne sich erst in Umrissen ab. In Such- und Lernbewegungen gelte es neue Formen der Glaubenskommunikation und neue Partizipationsmodelle zu entwickeln, um glaubhaft an die Fragen und Hoffnungen der gegenwärtigen Menschen anknüp- fen zu können. Den Abschluss des Kongresses bildete schließlich eine Podiumsdiskussion zu den ökumenischen Dimensionen der heutigen Glaubensverkündigung.

Stefan Kube

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