USA: Rücktritt des Oberhaupts der Orthodox Church of America
Metropolit Jonah war erst im November 2008 zum Oberhaupt der OCA gewählt worden, nachdem seine Vorgänger durch Korruptionsskandale und jahrelangen Amtsmissbrauch die OCA in eine schwere Krise gestürzt hatten. Nach seiner Wahl hatte Metropolit Jonah eine gründliche Reform seiner Kirche angekündigt (s. G2W 6/2009, S. 10f.). Ende Februar 2011 stellte der Hl. Synod den Metropoliten jedoch für zwei Monate frei, da dieser offenbar mit der komplizierten administrativen Leitungsstruktur der OCA überfordert gewesen war (s. G2W 5/2011 S. 11).
Metropolit Jonah begründete in einer Telefonkonferenz mit dem Hl. Synod seinen Rückzug mit den Worten: «Hiermit reiche ich auf Ihre einstimmige Bitte hin […] meinen Rücktritt vom Amt als Oberhaupt der OCA ein und bitte demütig um ein anderes Bischofsamt. Ich bin bereits seit langem zu dem Schluss gekommen, dass ich weder über die notwendigen persönlichen Qualitäten noch über das Temperament verfüge, die für ein Kirchenoberhaupt unabdingbar sind – ein Amt, das ich niemals angestrebt oder gewünscht habe.»
Nachdem in der orthodoxen Welt über die Hintergründe des Rücktritts spekuliert worden war, reagierte der Hl. Synod mit einer ausführlichen Stellungnahme, in der darauf hinwies, dass sich Metropolit Jonah nicht an «Standard, Richtlinien und Anweisungen des Hl. Synods bei sexuellem Fehlverhalten» (PSPs) orientiert habe, was ein wesentlicher Grund für dessen Rückzug gewesen sei: «Der eigentliche Grund, der uns schließlich zwang, den Metropoliten aufzufordern, entweder seinen Rücktritt einzureichen oder eine Auszeit für eine Therapie zu nehmen, war sein Unvermögen, in für die Kirchenleitung entscheidenden Momenten richtig zu urteilen und zu handeln: Er hat sich nicht an den PSPs gehalten und ist damit das Risiko eingegangen, dass mindestens eine Person ernstlich Schaden nimmt. […] Gleich nach seiner Amtseinführung hat Metropolit Jonah in eigener Regie einen Priester in die OCA aufusagenommen, der nachweislich alkoholabhängig war und mehrfach Frauen bedroht oder ihnen Gewalt angetan hat. Vielen war das bekannt, auch dem Metropoliten. […] 2010 klagte eine Frau diesen Mann dann der Vergewaltigung an. Metropolit Jonah erfuhr im Februar 2012 von dieser Sache, hat aber weder eine Untersuchung angeordnet, noch seine Mitbischöfe, die Rechtsanwälte der Kirche oder die Polizei informiert, wie es das für alle Kirchenglieder verbindliche PSPs der OCA vorsieht. Das mutmaßliche Opfer wandte sich an die Polizei. Wir erfuhren, dass einige Personen versuchten, das Opfer und deren Angehörige zu überreden, den Vorfall totzuschweigen […]. Noch Anfang Juli hatte Metropolit Jonah Kontakt mit einem dieser Leute, die versuchten, das Opfer vom Gang zur Polizei abzubringen. Dem betreffenden Priester hat der Metropolit wiederum geraten, Armeegeistlicher zu werden.» Zudem warf der Hl. Synod Metropolit Jonah vor, dass er sich «wiederholt über die Köpfe seiner Mitbrüder hinweg» gesetzt und kirchliche Interna nach außen getragen habe.
Bis zur Wahl eines neuen Oberhauptes übernimmt Erzbischof Nathaniel (Popp) von Detroit, Oberhaupt der Rumänischen Eparchie in der Jurisdiktion der OCA, interimistisch die Nachfolge. Zudem ernannte der Hl. Synod Bischof Michael (Dahulich) von New York und New Jersey zum Administrator der OCA sowie Bischof Alexander (Golitzin) von Toledo und Erzbischof der Bulgarischen Eparchie zum locum tenens der Eparchie Washington.
www.pravmir.ru, 9., 10. Juli; Statement from the Holy Synod Regarding the Resignation of Metropolitan Jonah, 16. Juli 2012 – O.S.



