Frankreich: Pariser Bürgermeister gegen den Bau des russisch-orthodoxen Kulturzentrums

Der Pariser Bürgermeister Bertrand Delanoë hat sich gegen den Bau des russisch-orthodoxen Kulturzentrums ausgesprochen, für das die russische Regierung im März 2010 ein großes Grundstück in unmittelbarer Nähe zum Eiffelturm erworben hatte

(s. G2W 6/2011, S. 3). Das Bauprojekt sieht eine Fünf-Kuppel-Kirche mit einem angeschlossenen Priesterseminar, einer Begegnungsstätte und einer Bibliothek vor.

Delanoë erklärte, zwar zweifle er weder am Sinn des Bauvorhabens noch an der Eignung des Platzes für moderne, innovative Architektur, doch zerstöre der vorliegende Entwurf die Harmonie die- ses historischen Stadtteils von Paris. Im vorangegangenen Architekturwettbewerb seien «weitaus erfreulichere Projekte vorgestellt worden, die die städtebauliche Harmonie und die Pariser Landschaft respektieren und berücksichtigen». Delanoë appellierte an die UNESCO, damit sie als Garantin für den Schutz des Seine-Ufers aktiv wird.

Ende Januar hatte Russland bei der Pa- riser Präfektur den Baubewilligungsantrag für das Kulturzentrum eingereicht. Am 4. Januar hatte Vladimir Kožin, der Chef der Administration des russischen Präsidenten, gegenüber der Agentur Interfax bestätigt, dass man mit der französischen Unternehmensgruppe Bouygues bereits einen Vertrag unterzeichnet habe, und dass mit dem Bau noch im laufenden Jahr begonnen werden solle.

Als späte Reaktion auf Delanoës Kritik erklärte Kožin in einem Interview der Agentur RIA-Novosti am 13. April, der Pariser Bürgermeister tue lediglich seine Privatmeinung kund, die jeglicher Rechtsgrundlage entbehre. Man arbeite mit der Pariser Präfektur zusammen. Das Projekt sei in vollem Gang, zwar gebe es eine Reihe von Problemen, doch diese seien rein technischer Art und ließen sich in jedem Fall lösen. Die definitive Zustimmung für die Erteilung der Baubewilligung erwarte man frühestens in einem halben Jahr.

www.la-croix.com, 27. Februar; www.portal-credo.ru, 13. April 2012 – O.S.

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