Libanon: Patriarch Kirill äußert sich besorgt über die Lage der Christen in Nahost
«Meine größte Sorge im Zusammenhang mit der Entwicklung im Nahen Osten ist die Lage der Christen», erklärte der Patriarch gegenüber Journalisten in Beirut. Der Libanon war die zweite Station der viertägigen Nahostreise des Patriarchen vom 12. bis 16. November, die vor allem dem Patriachat Antiochien galt. Zuvor war Patriarch Kirill in Syrien mit Präsident Baschar al-Assad zusammengetroffen. Die kurz zuvor getroffene Entscheidung der Arabischen Liga, die Vertreter des Assad-Regimes von ihren künftigen Treffen auszuschließen, wollte der Patriarch nicht kommentieren: «Ich handle nicht als Politiker oder Diplomat, nicht als ein politischer Vertreter, sondern als Patriarch der Russischen Orthodoxen Kirche.»
Patriarch Kirill hatte sich am 13. November zunächst mit Premierminister Adel Safar getroffen, der den Patriarchen über die Lage im Land informierte und Russland für dessen «ausgewogene Haltung in der andauernden Krise» lobte. Bei der anschließenden Zusammenkunft mit Präsident Baschar al-Assad dankte dieser Patriarch Kirill für dessen Besuch, der «der Stärkung der Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern dient». Assad lobte Russland für seine Haltung gegenüber den Vorgängen in Syrien und zeigte sich besorgt über das Anwachsen des Islamismus im Nahen Osten sowie «Versuche, konfessionelle Unterschiede in der gegenwärtigen politischen Krise in Syrien zu missbrauchen».
Syrien wird seit Monaten von gewaltsamen Protesten gegen die Regierung erschüttert. Der Westen fordert die Einstellung der Gewalt gegen die Demonstranten und den Rücktritt von Assad. Patriarch Kirill rief die Bewohner Syriens auf, ein offenes und friedliches Land aufzubauen, die nationale Eintracht zu festigen und alle inneren Probleme im Dialog zu lösen. Westlichen Medien warf er vor, ein einseitiges Bild von den Ereignissen in Syrien zu zeichnen.
Laut Patriarch Kirill sei Syrien seit vielen Jahren Beispiel einer friedlichen Koexistenz zwischen muslimischen und christlichen Gemeinden. Er fügt hinzu: «Natürlich sind wir darum besorgt, was geschehen kann. Wir sehen, was in Ägypten und im Irak geschehen ist.» Es gebe Gewalt gegen die Christen und eine zunehmende Christenphobie, die die bestehenden Beziehungen zerstören könnten. Der Patriarch äußerte die Hoffnung, das «weder in Syrien, noch im Libanon oder in einem anderen Land – sowohl im Nahen Osten und in Nordafrika als auch in der ganzen Welt – etwas Ähnliches passiert».
www.patriarchia.ru, 12.-16. November; www.religion.ng.ru, 16. November; epd-Wochenspiegel Nr. 47/2011 – O.S.