Israel: Patriarchat Jerusalem kritisiert Eröffnung eines russischen Pilgerzentrums
Das russische Pilgerzentrum, bestehend aus einer Kirche und Pilgerherberge, entsteht auf einem Grundstück, das die jordanische Regierung dem russischen Staat während eines Besuchs von Regierungschef Vladimir Putin in Amman im Februar 2007 zur Verfügung gestellt hat. Die Bauarbeiten wurden im März 2008 begonnen und sollen 2012 fertiggestellt sein. Auf der Internetseite der Russischen Mission in Jerusalem heißt es, das Grundstück an den Ufern des Jordans sei «der Russländischen Föderation zur unentgeltlichen und zeitlich unbeschränkten Nutzung übergeben worden, damit dort ein Metochion zur Aufnahme russischer Pilger entstehe. Nach vier Jahren Bauarbeit ist der Klosterhof bereit, seine Pforten zu öffnen». Finanziert wurde der Bau vom russischen petrochemischen Unternehmen «Strojtransgaz» mit Sitz in St. Petersburg.
Am 24. Oktober erklärte der Leiter der Russischen Mission in Jerusalem, Archimandrit Isidor (Minaev), in einem Interview gegenüber der Internetseite «Bogoslov.ru», das Patriarchat Jerusalem habe «leider Vorbehalte gegen das Moskauer Patriarchat, da unsere Kirche sehr groß und aktiv ist». Wenn z. B. ein «mikroskopischer Teil unserer Kirche – fünf Regionalbischöfe mit 30 bis 50 Priestern, zehn Diakonen und vielen Gläubigen – in der Grabeskirche» erschiene, dann irritiere das die Priester der Bruderschaft des Hl. Grabes und sie fragten, ob etwa «die ganze Russische Orthodoxe Kirche angereist» sei.
Das Patriarchat Jerusalem erstreckt seine Jurisdiktion auf Israel, das Westjordanland, den Gazastreifen sowie Jordanien. Es zählt rund 50 Gemeinden, die von arabischen Priestern betreut werden, sowie fünfzig Klöster, die in der Bruderschaft des Hl. Grabes zusammengeschlossen sind. Die rund 80 000 christlichen Palästinenser sind in ihrer Mehrheit orthodox. Zur Jurisdiktion des Patriarchats zählen auch russischsprachige Gemeinden, bestehend aus Emigranten aus der ehemaligen UdSSR.
Die Russische Mission in Jerusalem, deren Betreuung sich die Russische Auslandskirche und das Patriarchat Moskau teilen, umfasst mehrere Kirchen und Klöster sowie Pilgerherbergen. Sie wurden auf Grundstücken errichtet, die die Kaiserliche Russische Palästinagesellschaft im 19. Jahrhundert erworben hatte.
www.religio.ru, 25. Oktober; SOP Nr. 361, Oktober 2011 – O.S.



