Türkei: Nahostsynaxis in Konstantinopel
Aus gesundheitlichen Gründen verhindert war der 91-jährige Patriarch Ignatios (Hazim) von Antiochia; er wurde durch Bischof Isaak (Najim) von Apameia vertreten. Im Mittelpunkt der Versammlung standen die Situation der Christen im Nahen Osten und in Nordafrika sowie die Vorbereitungen auf das Panorthodoxe Konzil.
In einem eindringlichen Appell riefen die Kirchenoberhäupter des östlichen Mittelmeerraums die politischen und religiösen Führer im Nahen Osten und weltweit dazu auf, «Grundlagen und Normen für ein friedliches Zusammenleben der Gläubigen unterschiedlicher religiöser Tradition zu erarbeiten». Aus Sicht der orthodoxen Hierarchen werden die Christen im Nahen Osten oftmals als «Bürger zweiter Klasse» behandelt. «In anderen Fällen werden ihre Gotteshäuser […] profaniert oder zerstört; oder es werden die Möglichkeiten, Gottesdienste zu halten, oder die Ausbildungsmöglichkeiten von Klerikern eingeschränkt. Darüber hinaus kommt es bisweilen zu mörderischen Anschlägen auf Christen, wobei die Gewalt von extremen fanatischen religiösen Gruppen ausgeht. Es versteht sich von selbst, dass die Christen, wo immer sie leben, verpflichtet sind, die Kultstätten und Gemeinden anderer Religionen zu respektieren.»
Zusätzlich zu dem Friedensappell kündigten die Kirchenoberhäupter eine Reihe konkreter Schritte an: So soll der ökumenische und interreligiöse Dialog mit dem Islam und dem Judentum intensiviert werden. Auf Vorschlag des Ökumenischen Patriarchen soll zudem ein Treffen von Religionsführern der Mittelmeerregion zur Ausarbeitung einer ökologischen «Mittelmeer-Charta» stattfinden.
Schließlich wurden die orthodoxen Kirchen aufgerufen, die jeweiligen Grenzen ihres kanonischen Territoriums zu respektieren und nicht in die Jurisdiktion anderer Kirchen einzugreifen. Dies betrifft in erster Linie den Konflikt zwischen dem Patriarchat von Jerusalem und der Rumänischen Orthodoxen Kirche um die Errichtung von Pilgerhäusern im Heiligen Land (s. G2W 7-8/2011, S. 5).
Um den Vorbereitungsprozess zum Panorthodoxen Konzil aus der Sackgasse zu führen, in die er aufgrund der von den panorthodoxen Konsultationen festgelegten Richtlinien geraten sei, wonach Beschlüsse einstimmig zu fassen seien (s. G2W 4/2011, S. 8f.), schlug die Synaxis vor, eine Versammlung aller Patriarchen und Oberhäupter der orthodoxen Kirchen einzuberufen. Auf dieser sollten dann die Bestimmungen geändert und so der präkonziliare Vorbereitungsprozess beschleunigt werden. Patriarch Bartholomaios hatte dazu bereits in seinem Einladungsschreiben zur Synaxis festgehalten, dass sich die Oberhäupter jener Kirchen, deren Autokephalie von einem der Ökumenischen Konzile bestätigt worden sei, «öfter abstimmen müssen, weil sie die gemeinsamen Grundlagen der Orthodoxen Kirche bilden». Dies bedeute jedoch nicht, «die anderen orthodoxen Kirchen von panorthodoxen Entscheidungen auszuschließen, sondern im Gegenteil, die Einheit zu unterstützen und zu erleichtern».
Das Moskauer Patriarchat reagierte allerdings mit Kritik auf die Einberufung der Synaxis: Metropolit Ilarion (Alfejev), der Leiter des Kirchlichen Außenamtes, erklärte im Vorfeld, man sei «nicht damit einverstanden, dass eine bestimmte Gruppe der Kirchen sich als ‹Säule› der orthodoxen Welt versteht und dies damit begründet, dass ihre Autokephalie älter sei als die der anderen Kirchen. Auf diese Weise wird versucht, die Orthodoxie in ‹erste› und ‹zweite› Kirchen einzuteilen. […] Wenn wir das Panorthodoxe Konzil würdig vorbereiten und durchführen wollen, müssen wir die ekklesiologischen Konzepte, die alle orthodoxen Kirchen vereinen, unterstützen und keine neuen Konzepte schaffen, die nur zu Spannung und Unstimmigkeit führen». – Auf einem persönlichen Treffen zwischen Patriarch Bartholomaios und Metropolit Ilarion auf der türkischen Insel Imbros am 21./22. August dankte allerdings der Patriarch dem Metropoliten öffentlich für die Arbeit seines Außenamtes, was die Beziehungen zwischen den beiden Patriarchaten betreffe: «Dies bedeutet natürlich nicht, dass gelegentlich nicht auch mal eine Wolke aufzieht und Probleme auftreten, aber wir versuchen, sie zu überwinden und gemeinsam zu lösen, um unsere harmonische Zusammenarbeit fortzusetzen.»
www.patriarchate.org, 2., 3. September; Kathpress, 4., 7. September; Orthodoxie Aktuell, 10/2011, S. 5f. – O.S.



