Deutschland: Renovabis-Kongress 2011: "Ländliche Räume im Umbruch"

Vom 1. bis 3. September 2011 hat der 15. Internationale Kongress von Renovabis, der Solidaritätsaktion der deutschen Katholiken mit den Menschen in Mittel- und Osteuropa, stattgefunden. 340 Teilnehmende aus 29 Ländern waren angereist, unter ihnen zahlreiche kirchliche Würdenträger. Referentinnen und Referenten aus Politik und Kirchen widmeten sich Fragen der ländlichen Entwicklung, die sich in osteuropäischen Ländern besonders dringlich stellen. Denn fehlende berufliche Perspektiven und desolate Infrastruktur in vielen ländlichen Regionen führen zu dauerhafter Abwanderung, Überalterung der verbliebenen Bevölkerung oder Arbeitsmigration. Die Kirchen bemühen sich darum, die daraus erwachsenden gesellschaftlichen Probleme abzufedern. Die «Seelsorge der weiten Wege» leistet einen wichtigen Beitrag für die Ver besserung der Lebensqualität auf dem Land, doch die grundlegenden Probleme können nur gelöst werden, wenn die politischen Rahmenbedingungen die Eigeninitiative der Landbevölkerung zur Verbesserung der Lebensbedingungen fördert, so lautete das Fazit vieler Beiträge.

Die Wichtigkeit des Zusammenspiels politischer Entscheidungen mit Grass-Root-Initiativen machten gleich die Eröffnungsredner, Dr. Filip Kaczmarek MdEP, und Alois Glück, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, deutlich. Glück, gelernter Landwirt und CSU-Politiker, hat während Jahrzehnten die «Katholische Landvolkbewegung » geprägt. In seinem Referat stellte er dar, wie es dieser Bewegung in der Nachkriegszeit gelang, einen Wandel von einer reinen Landwirtschafts- zu einer ländlichen Entwicklungspolitik mitzugestalten. Er wies allerdings auch darauf hin, dass mittlerweile politische Steuerungsinstrumente allein wohl nicht mehr genügten, um die ländliche Entwicklung zu fördern: Zu stark seien die Kräfte der globalen Vernetzung, auf die die nationale Politik keinen Einfluss habe. Das damit schon angesprochene Stichwort der Arbeitsmigration erschien in vielen weiteren Beiträgen als zentral. Ihm waren auch mehrere der Workshops am zweiten Kongresstag gewidmet. Unter dem Thema «Fünf Millionen Ukrainer im Ausland: Migration und Strukturwandel in der Ukraine – Fakten und Folgen» gab beispielsweise Hrihoriy Seleshchuk, Leiter der Kommission für Migration der Ukrainischen Griechisch- Katholischen Kirche, eine Einführung in die Dimensionen der ukrainischen Arbeitsmigration.

Die Frage, welche Rolle kirchlichen Initiativen zukommen kann, stand im Zentrum der abschließenden Podiumsdiskussion. Bischof Jerzy Mazur von Ełk (Polen) und Schwester Margaret Hutnyk OSBM, Lviv (Ukraine), gaben Einblick in die Versuche ihrer Kirchen, «pastorale Antworten auf Veränderungen in ländlichen Räumen» zu finden. Diese Antworten können nicht einfach, wie der Hauptgeschäftsführer von Renovabis, P. Stefan Dartmann SJ,gleich zu Beginn des Kongresses festgehalten hatte, durch den «Rückgriff auf alte Konzepte und Strukturen» gefunden werden. Vielmehr müsse die Kirche bereit sein, neue Formen der Evangelisation zu suchen, die den veränderten Lebensgewohnheiten entsprächen.

Rahel Černá-Willi

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