Israel: Orthodoxes Patriarchat von Jerusalem kündigt Kirchengemeinschaft auf
Der Hl. Synod des Patriarchats von Jerusalem entschied an seiner Sitzung am 9. Mai «einstimmig und mit Bedauern», der Rumänischen Orthodoxen Kirche die eucharistische Gemeinschaft aufzukündigen.
Grund dafür ist ein Streit zwischen den beiden Kirchen um den Bau einer rumänischen Kirche und eines Pilgerhauses in Jericho. Da Israel, die Palästinensergebiete und Jordanien zum kanonischen Territorium des Patriarchats von Jerusalem zählen, müssen alle anderen orthodoxen Kirchen beim Bau von Gotteshäusern und Pilgerherbergen im Heiligen Land beim Patriarchat um eine Genehmigung ersuchen. Das Patriarchat Jerusalem hatte dem Patriarchat Bukarest die Baugenehmigung verweigert, dieses hatte jedoch dennoch mit den Bauarbeiten begonnen. Daraufhin hatte Patriarch Theophilos (Giannopoulos) den rumänischen Patriarchen Daniel im Januar schriftlich aufgefordert, den illegalen Kirchenbau umgehend einzustellen. In seinem Antwortschreiben schrieb Patriarch Daniel zwar, dass er die Jurisdiktion der Kirche von Jerusalem ohne jede Einschränkung anerkenne, dennoch sei es in der heutigen Zeit nicht mehr möglich, sich penibel und buchstabengetreu an territoriale Grenzziehungen der orthodoxen Lokalkirchen zu halten. Deshalb schlage er dem Patriarchat Jerusalem vor, den Bau der rumänischen Kirche zu gestatten und bitte um dessen Segen für ein gutes Gelingen.
Der Hl. Synod der Kirche von Jerusalem blieb jedoch bei seiner Haltung und erklärte die rumänischen Vorschläge für illegal und den Bau des Komplexes für unkanonisch. Da sich die Rumänische Orthodoxe Kirche weigere, den Bau einzustellen, habe der Hl. Synod beschlossen, Patriarch Daniel in den Diptychen der Gottesdienste nicht länger zu kommemorieren – womit er die eucharistische Gemeinschaft mit der Rumänischen Orthodoxen Kirche aufgekündigt hat. Zudem erklärte der Hl. Synod, Archimandrit Ieronim (Creţu), den Vorsteher der umstrittenen rumänischen Kirche in Jericho, in den einfachen Mönchsstand zu versetzen, da er sich unerlaubterweise in das kanonische Territorium einer anderen Lokalkirche gedrängt habe.
In einer ersten Reaktion bewertete der Hl. Synod der Rumänischen Orthodoxen Kirche den Entscheid der Kirche von Jerusalem als «Widerspruch zum Geist des brüderlichen Umgangs zwischen den orthodoxen Schwesterkirchen». Zugleich erklärte er jedoch, die eucharistische Gemeinschaft mit dem Patriarchat Jerusalem weiterhin aufrecht zu erhalten und die Bereitschaft der Rumänischen Orthodoxen Kirche zu Verhandlungen. – Das Patriarchat von Jerusalem beharrte dagegen auf seiner Haltung und bestätigte am 20. Mai noch einmal den Bruch mit dem Patriarchat Bukarest: Dieses habe die Lösung des Problems «unendlich hinausgezögert » und sich faktisch geweigert, die jurisdiktionellen Grenzen der Kirche von Jerusalem zu respektieren. Die Position der Rumänischen Orthodoxen Kirche machte der Vikarbischof des Patriarchen, Ciprian (Spiridon) von Câmpina, an einer Pressekonferenz am 12. Mai deutlich: Das Patriarchat Bukarest bedaure zwar die Entscheidung des Patriarchats Jerusalem, doch die Rumänische Orthodoxe Kirche habe das Grundstück in Jericho Ende der 1990er Jahre als Spende erhalten. Umgehend habe sich damals der Vertreter des Patriarchats Bukarest in Jerusalem, Archimandrit Ieronim (Creţu), mit der Bitte an das Patriarchat von Jerusalem gewandt, auf diesem Gelände eine Kirche sowie eine Pilgerherberge errichten zu dürfen; 1998 habe man eine entsprechende mündliche Zusage von Patriarch Diodoros (Karivalis, 1923–2000) erhalten und unverzüglich mit den Bauarbeiten begonnen. 1999 habe jedoch Patriarch Diodoros seine Erlaubnis schriftlich wieder zurückgezogen, da der Hl. Synod von Jerusalem mit der Präsenz rumänischer Einrichtungen in Jericho nicht einverstanden gewesen sei. Im Jahr 2000 habe Patriarch Teoctist (Arăpaşu, 1915– 2007) bei seinem Besuch in Jerusalem bei Patriarch Diodoros um eine schriftliche Bauerlaubnis nachgesucht und dieser habe mündlich zugesichert, er werde sich beim Hl. Synod dafür einsetzen; leider sei er jedoch vorzeitig verstorben.
Laut Vikarbischof Ciprian befindet sich der Bau in Jericho nun kurz vor der Fertigstellung und sei ausschließlich für rumänische Pilger bestimmt. Man habe diesen errichtet, weil es die rumänische Tradition verlange, dass Pilger während ihres Besuchs der heiligen Stätten an der Liturgie in rumänischer Sprache teilzunehmen hätten und nicht in Hotels, sondern in speziellen kirchlichen Herbergen untergebracht werden müssten. Rumänische Pilger würden stets von einem Priester begleitet, der sie seelsorgerlich betreue und ihnen alle nötigen Informationen über die heiligen Stätten vermittle. Das Patriarchat Jerusalem könne derartige Hilfestellungen weder leisten, noch entsprechende Räumlichkeiten für die jährlich mehr als 3000 rumänischen Pilger anbieten. Das Patriarchat Bukarest stelle die Jurisdiktion des Patriarchats von Jerusalem keineswegs infrage, doch seien die Kirche und das Pilgerhaus ausschließlich für rumänische Pilger und nicht für die lokalen Gläubigen bestimmt.
www.portal-credo.ru, 10. Mai; www.basilica. ro, 13. Mai; www.pravmir.ru, 12., 13., 20. Mai; KNA-ÖKI, 23. Mai 2011 – O.S.