Moldova: Islamische Gemeinschaft staatlich anerkannt

Mitte März hat das moldauische Justizministerium die Islamische Liga der Republik Moldau (Liga Islamică din Republica Moldova) in das Register der nicht profitorientierten Organisationen eingetragen.

Damit ist die islamische Gemeinschaft offiziell im Land anerkannt. Zwei Jahrzehnte lang war den Muslimen die staatliche Anerkennung verweigert worden. Begründet wurde dies mit der geringen Anzahl der Muslime, die lediglich 0,1 % der 3,3 Millionen zählenden Bevölkerung ausmachen. Unter den 3000 Muslimen sind vor allem die Minderheiten der Tataren, Türken und Nogaier (turksprachige Ethnie aus dem Kaukasusgebiet) vertreten.

Mit der Registrierung erhalten die Muslime das Recht, Konten für das Sammeln von Spenden einzurichten, religiöse Literatur zu drucken und zu verbreiten, öffentlich Gottesdienste zu feiern sowie Moscheen bzw. Gebetshäuser zu errichten. Derzeit gibt es in der Republik keine funktionierende Moschee, lediglich mehrere Ruinen alter Moscheen aus der osmanischen Zeit.

Kritik an der staatlichen Anerkennung der Muslime übte das Oberhaupt der Moldauischen Orthodoxen Kirche/Moskauer Patriarchat, Metropolit Vladimir (Cantarian) von Chişinău und Moldova. Er bezeichnete die Anerkennung als «Demütigung» der Orthodoxen. Andere Kirchenvertreter erklärten gar, die Islamische Liga werde in der Republik «Unruhen auslösen». Auch der frühere Präsident des Landes und Vorsitzender der Kommunistischen Partei, Vladimir Voronin, sprach sich gegen die Registrierung aus, für die es «keinen sozialen Grund» gebe. Der Leiter der Islamischen Liga, Sergiu Sochirca, bedauerte die Äußerungen hochrangiger Kirchenvertreter und Politiker. Seine Organisation vertrete nur eine kleine Minderheit und habe mit islamischem Fundamentalismus nichts zu tun; sie wolle lediglich eine Brücke zwischen Muslimen und anderen Religionsgemeinschaften bauen.

www.religion.ng.ru, 20. April; www.rferl.org, 28. April; www.interfax-religion.ru, 28. April 2011 – O.S.

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