Frankreich: Entwurf für neue russische Kathedrale und Kulturzentrum in Paris vorgestellt
In der russischen Botschaft in Paris gab Kožin am 17. März Einzelheiten über das geplante Bauvorhaben bekannt: Herzstück des russisch-orthodoxen Zentrums ist eine Kathedrale, der ein Priesterseminar und das eigentliche Kulturzentrum angeschlossen sind. Die russische Regierung hatte im März 2010 den Zuschlag für den Kauf des 4000 Quadratmeter großen Grundstücks am Quai Branly unweit des Eiffelturms erhalten (s. G2W 5/2010, S. 5f.). Nach Fertigstellung des Bauvorhabens soll der gesamte Komplex der Russischen Orthodoxen Kirche zu unbegrenzter und unentgeltlicher Nutzung übergeben werden.
Eine 15-köpfige französisch-russische Jury unter dem Vorsitz von Kožin hatte aus den anfangs 444 Kandidaten und letztendlich zehn Entwürfen das gemeinsame Modell der Agenturen SADE in Paris und Arch Group in Moskau ausgewählt. Das Modell sieht eine klassische russische Kreuzkuppelkirche vor, deren fünf vergoldete Zwiebeltürme ein weißes gläsernes wellenförmiges Zeltdach durchstoßen, das über der Kirche und einem ihr vorgelagerten Garten schwebt und sich dann als breites Band um die angrenzenden Gebäude legt. Baubeginn ist laut Kožin Anfang 2012, finanziert wird das Projekt vom «russischen Staat, der Russischen Orthodoxen Kirche sowie von russischen und französischen Mäzenen». Der Kaufpreis für das Grundstück beträgt geschätzte 70 bis 80 Millionen Euro, die Baukosten belaufen sich laut den Planern auf 34,5 Millionen Euro. Errichtet wird das Gotteshaus aus eigens aus Russland eingeführtem weißem Stein, für Schmuckelemente werden aus dem Ural importierte Halbedelsteine verwendet.
Jury-Mitglied Erzbischof Mark (Golovkov), Vikar des Patriarchen und Verantwortlicher für die Auslandsgemeinden des Patriarchats Moskau, erklärte an der Vorstellung in der Pariser Botschaft, der Entwurf bilde «eine Synthese aus orthodoxer Tradition und Moderne». Das wellenförmige Glasdach erlaube die Speicherung von Sonnenenergie und das Auffangen von Regenwasser, mit dem der Garten, der mit russischen Birken bepflanzt wird, bewässert werden soll. – Der spanische Architekt Manuel Nunez-Yanowsky, der sich selbst als «mystischen Atheisten» bezeichnet, sagte gegenüber der Pariser Tageszeitung «Le Figaro», den Tempel einer anderen Kultur zu bauen, ob eine Synagoge, eine Moschee oder eine orthodoxe Kirche, sei wie «eine fliegende Untertasse mitten in Paris landen zu lassen ».
Dagegen hält Nikita Struwe, Chef des bekannten Pariser Exil-Verlags YMCAPress und einer der prominentesten Vertreter der russischen Emigration, das Bauprojekt für «überflüssig, unnötig und in gewissem Sinn verletzend für uns, die wir das Erbe der russischen Emigration bewahrt haben». Paris verfügt laut Struwe bereits über rund ein Dutzend orthodoxer Kirchen, die von der russischen Emigration errichtet wurden, sowie über eine russische Kathedrale, die allerdings nicht dem Moskauer Patriarchat unterstehe, da man seine Unabhängigkeit wahren wolle. Zudem gebe es noch eine griechische Kathedrale, und eine rumänische Kirche befinde sich in Bau. In diesem Zusammenhang kritisierte Struwe auch noch einmal die Errichtung eines Priesterseminars in Paris durch das Moskauer Patriarchat im Jahr 2009, obwohl in Paris seit Jahrzehnten das theologische Seminar St. Serge existiert (s. G2W 2/2010, S. 5).
www.portal-credo.ru, 1.–4. April; epd-Wochenspiegel Nr. 17, 26. April; SOP Nr. 357, April 2011 – O.S.