USA: Metropolit Jonah vom Hl. Synod der Orthodox Church in America freigestellt
Metropolit Jonah selbst erklärte am 27. Februar, er gehe auf längere Zeit in Urlaub, um Dinge für sich zu klären und sich geistlich zu erneuern. Er habe weiterhin die Leitung der OCA inne, die Gläubigen sollten sich nicht durch Berichte verunsichern lassen, wonach der Hl. Synod ihn abgesetzt habe.
Unmittelbar nach Bekanntwerden der zeitweiligen Freistellung hatte die Website orthodoxer Geistlicher und Laien (www.ocanews.org) berichtet, die Entscheidung des Hl. Synods komme nicht überraschend. Seit seiner Inthronisierung habe Metropolit Jonah große Schwierigkeiten gehabt und sich immer mehr von der Zusammenarbeit mit den Leitungsorganen der OCA zurückgezogen und schließlich die Autorität des Hl. Synods infrage gestellt.
Metropolit Jonah hatte Ende 2008 die Leitung der OCA übernommen, nachdem diese durch die jahrelangen finanziellen Machenschaften seiner Vorgänger, der Metropoliten Feodosij (Lazor) und German (Swaiko), schwer erschüttert worden war (s. G2W 2/2009, S. 10f.). Metropolit Jonah hatte sich zum Ziel gesetzt, notwendige Reformen in der Verwaltung und Finanzbuchhaltung in Angriff zu nehmen und eine geistige Erneuerung der OCA einzuleiten (s. G2W 6/2009, S. 10f.). Offenbar gestaltet sich diese Aufgabe jedoch schwieriger als erwartet, zumal Struktur und Verwaltung der OCA verwickelt sind: Als oberstes Leitungsorgan fungieren neben dem Hl. Synod das Bischofskonzil, das aus Klerus und Laien zusammengesetzte All-Amerikanische Konzil sowie der ebenfalls aus Geistlichen und Laien bestehende Metropolitanrat, der die Amtsgeschäfte der OCA zwischen den Bischofskonzilen leitet. Die Kompetenzverteilung zwischen diesen Körperschaften ist unklar.
Berichten aus der OCA zufolge ist Metropolit Jonah nicht freiwillig auf Zeit zurückgetreten, sondern sei ihm der Rückzug von seinen Mitbrüdern nahe gelegt worden. Laut dem Vorsteher der Christus-Erlöser-Kirche in New York, Priester Michael Meerson, ist der wichtigste Grund für den Rückzug, dass Metropolit Jonah gegenüber Metropolit Ilarion (Alfejev), dem Chef des Kirchlichen Außenamtes des Patriarchats Moskau, folgendes erklärt habe: Um den innerorthodox nicht anerkannten Autokephalie- Status der OCA endlich zu klären, wäre es wünschenswert, ihre Autokephalie zugunsten einer möglichst großen Autonomie unter der Jurisdiktion des Patriarchats Moskau aufzugeben. Diese Äußerung habe beim Hl. Synod, beim Klerus und unter den Laien große Konsternation ausgelöst. Die Sympathien von Metropoliten Jonah für das Patriarchat Moskau sind bekannt: Der gebürtiger Amerikaner deutscher Herkunft, James Paffhausen, konvertierte in San Diego in einer Gemeinde des Moskauer Patriarchats in den 1970er Jahren zur Orthodoxie, lernte Russisch und reiste nach seinem Studium oft nach Moskau, wo er zu Beginn der 1990er Jahre ein Jahr im Kirchlichen Außenamt der Russischen Orthodoxen Kirche tätig war. Metropolit Ilarion und er sind seit längerem freundschaftlich verbunden.
Das Patriarchat Moskau wies jedoch entschieden alle Behauptungen zurück, dass es sich zur Erweiterung seines Einflussbereichs innerhalb der Orthodoxie die OCA «einverleiben» wolle. Metropolit Ilarion reiste am 15. März zu einem Kurzbesuch nach New York, wo er in Syosset Gespräche mit der Kirchenleitung der OCA führte. Er unterstrich dabei nachdrücklich, dass die Russische Orthodoxe Kirche die Autokephalie der OCA seit 1970 unterstütze. Das Moskauer Patriarchat habe nicht die Absicht, sich in die inneren Angelegenheiten der OCA einzumischen; die Russische Orthodoxe Kirche benötige aber Informationen über die jetzige Situation, da «sie eine Kirche ist, die konsequent und aktiv die Autokephalie der OCA auf interorthodoxer Ebene verteidigt».
Dass es jedoch innerhalb der OCA, ebenso wie innerhalb der Pariser «Erzdiözese der orthodoxen Gemeinden russischer Tradition in Westeuropa» (Patriarchat Konstantinopel), Kreise gibt, die eine «Rückkehr zur Mutterkirche » anstreben, ist unbestritten: Unmittelbar vor der Wahl von Metropolit Jonah hatte sich eine Gruppe von Priestern und Laien der OCA im November 2008 an das Patriarchat Moskau gewandt mit dem Vorschlag, Metropolit Ilarion solle als Oberhaupt der OCA fungieren. Metropolit Ilarion sowie das Patriarchat wiesen das Ansinnen zurück: Weder sei Ilarion amerikanischer Staatsbürger, noch wolle man am Autokephalie- Status der OCA etwas ändern.
www.portal-credo.ru, 27. Februar, 8. – 14. März; www.mospat.ru, 1., 16. März; www.ocanews.org; www.religion.ng.ru, 2. März; SOP Nr. 356, März 2011 – O.S.



