Schweiz: Tagung der Interorthodoxen Vorbereitungskommission
Zentrales Thema war die bereits seit 2009 diskutierte Frage der Autokephalie, d. h. die Frage nach der Selbstständigkeit der einzelnen orthodoxen Landeskirchen und nach dem Modus ihrer Verleihung (s. G2W 2/2010, S. 8f.). Trotz der von allen Seiten hervorgehobenen guten «brüderlichen Arbeitsatmosphäre » konnten die Delegationen der 14 autokephalen Kirchen jedoch zu keiner Einigung in dieser Frage gelangen.
Metropolit Ioannis (Zizioulas) von Pergamon (Ökumenisches Patriarchat), der die Vorbereitungskommission leitet, hatte zu Beginn der Konferenz zur Einigkeit unter den Orthodoxen gemahnt: «Die Orthodoxie kann nicht überleben, wenn sie in der Isolation und in einer Aufsplitterung in sich selbst genügende lokale Einheiten verharrt. Jene, die die Aufgabe haben, die Orthodoxe Kirche zu leiten, tragen die hohe Verantwortung, diese Einheit mit all ihren Kräften und ohne Zeitverzögerung zu fördern. » Hinsichtlich der Gewährung der Autokephalie machte Metropolit Ioannis folgenden Vorschlag: «Der Ökumenische Patriarch versichert, dass er gemäß dem Willen der anderen Kirchen den autokephalen Status gewähren wird. Dies geschieht durch seine Unterschrift, der dann diejenigen der Vorsteher der anderen Kirchen gemäß der kanonischen Ordnung der gegenseitigen Anerkennung folgen, denen jeweils das Wort ‹bestätigt› als Konsens vorangestellt wird.» Dieser Vorschlag wurde jedoch von einigen Vertretern anderer autokephaler Kirchen als eine Festschreibung der Suprematie von Konstantinopel verstanden und abgelehnt. Da die Vorbereitungskommission ihre Entscheidungen nur einstimmig trifft, wurde beschlossen, die Frage der Autokephalie noch einmal eingehend zu erörtern.
Weiteres wichtiges Thema an der Tagung war die Frage der Rangordnung (Diptychen) der einzelnen orthodoxen Kirchen. Einstimmig bekräftigte die Vorbereitungskommission, dass man einheitliche Diptychen definieren müsse, die für alle orthodoxen Kirchen gelten. Die Kommission beschäftigte sich auch mit konkreten Vorschlägen hinsichtlich des Rangs einzelner Kirchen in den Diptychen; so wünschten insbesondere die Georgische Orthodoxe Kirche und die Kirche von Zypern eine höhere Position in den Diptychen. In dieser Angelegenheit konnte jedoch ebenfalls kein einstimmiger Beschluss gefasst werden, so dass sich an dem bisherigen Stand nichts ändert.
Orthodoxie Aktuell 3/2011, S. 7f. – S.K.



