Schweiz: HEKS-Osteuropatag in Bern

Am 22. Januar hat in Bern der diesjährige Osteuropatag des HEKS, des Hilfswerkes der Evangelischen Kirchen der Schweiz, stattgefunden.

Die gut besuchte Tagung mit rund 200 Teilnehmenden stand unter dem Motto «Solidarität ... in der Tradition verankert – für die Zukunft offen». Das Programm trug die Handschrift des langjährigen Osteuropa- Beauftragten Andreas Hess, der auf der Veranstaltung verabschiedet wurde und dessen Nachfolge Matthias Herren antritt.

Rückschau zu halten war jedoch nicht das zentrale Anliegen; vielmehr wurde in den Workshops wie in den Plenarveranstaltungen primär nach den künftigen Aufgaben und Arbeitsfeldern der «Kirchlichen Zusammenarbeit» (früher: «Zwischenkirchliche Hilfe») gefragt. Christoph Amman vom Institut für Sozialethik an der Universität Zürich hielt einen Vortrag zur innerchristlichen Solidarität, die immer häufiger von einem universellen Solidaritätsgedanken «verdrängt» werde und in die Defensive gerate. Sein Vortrag wie auch die anschließende Diskussion zeigten, dass ein kirchliches Hilfswerk bzw. kirchliche Institutionen allgemein stets abwägen müssen, in wie weit eine Unterscheidung zwischen der eigenen Gemeinschaft (sei dies die Konfessionsgemeinschaft oder die weltweite Kirche) und der Gesamtheit der potentiellen Partner bzw. Empfänger gemacht werden kann.

Der Erfolg der Arbeit des HEKS in Ostmittel- und Südosteuropa hängt zu einem großen Teil vom Gelingen der Zusammenarbeit mit den kirchlichen Akteuren vor Ort ab – wobei naturgemäß die evangelischen Kirchen der Region besonders wichtige Partner sind. Sie waren auch durch zahlreiche Gäste vertreten, deren Gegenwart deutlich machte, dass es heute nicht mehr bloß darum geht, den «armen Brüdern im Osten» zu helfen: Die Kirchliche Zusammenarbeit strebt einen Austausch zwischen wenn nicht finanziell, so doch ideell gleich gestellten Partnern an. Einzelaspekte der Zusammenarbeit wurden in den spezifischen Workshops thematisiert: So ging es etwa im Workshop, der von Andreas Hess moderiert wurde, um den kirchlichen Versöhnungsauftrag (am Beispiel der Vergangenheitsbewältigung in Ungarn). Ein anderer Workshop beschäftigte sich mit Jugendreisen als neuer Form der Zusammenarbeit. Eindrücklich war hier der Erfahrungsbericht des Verantwortlichen für weltweite Kirche der Kantonalkirchen Basel-Stadt und Basel-Land, Daniel Frei: Eine Reise mit Jugendlichen nach Albanien konnte dazu beitragen, Vorurteile zu überwinden. Hier wurde deutlich, dass das von HEKS aufgebaute Netzwerk durchaus im Sinne einer echten Zusammenarbeit «in beide Richtungen» genutzt werden kann.

Insgesamt zeigte die Veranstaltung, dass «Solidarität mit Osteuropa» nicht einfach ein überholtes Konzept ist, sondern dass «Solidarität» erst jetzt im Sinne der «verantwortlichen Zusammenarbeit » wirklich möglich wird.

Rahel Černá-Willi

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