USA: Nationale Studie über orthodoxes Gemeindeleben
In den USA gibt es heute etwa 1 300 000 orthodoxe Christen in ca. 2300 Gemeinden, die zu etwa zwanzig verschiedenen orthodoxen Kirchen gehören. Etwa 1000 orthodoxe Gemeindemitglieder aus 103 Gemeinden der beiden größten orthodoxen Kirchen in Amerika, der Griechisch-Orthodoxen Erzdiözese von Amerika (GOA) und der «Orthodox Church in America» (OCA) haben den achtseitigen Fragebogen ausgefüllt. Zu diesen beiden Kirchen gehört mehr als die Hälfte der orthodoxen Christen in den USA. Die Umfrage untersuchte persönliche soziale und religiöse Haltungen sowie Muster des alltäglichen Gemeindelebens (das «Image» des orthodoxen Klerus beim Kirchenvolk, die Themen «Demokratie und Pluralismus in der Kirche», «Änderungen und Innovationen in der Kirche» und «Religiöser Partikularismus und Ökumene») und hat folgende interessante Erkenntnisse hervorgebracht:
1. Das Stereotyp, dass die orthodoxen Kirchen der USA vor allem ethnische Kirchen sind, entspricht nicht der Wirklichkeit. Neun von zehn Gemeindegliedern sind in den USA geboren; mehr als ein Viertel der Mitglieder der GOA und mehr als die Hälfte der OCA sind zur Orthodoxie konvertiert.
2. Innerhalb der Orthodoxie herrscht ein breites persönliches theologisches Meinungsspektrum: Je etwa 30% der Gläubigen halten sich für «konservativ» oder «liberal», während sich eine Mehrheit von 40% als «traditionelle Mitte» bezeichnet.
3. Orthodoxe Christen in den USA haben eine starke orthodoxe Identität und können sich kaum vorstellen, einer anderen Konfession anzugehören.
4. Laut den Befragten bedeutet ein «guter orthodoxer Christ» zu sein vor allem, an die Auferstehung Jesu Christi zu glauben und an der Eucharistie teilzunehmen. Weniger wichtig seien regulärer Kirchenbesuch, Gehorsam gegenüber dem Priester und das Einhalten der Fastenzeit.
5. Nur drei von zehn Gemeindegliedern würden die Zulassung von Diakoninnen unterstützen, obwohl die orthodoxe Tradition solche gekannt hat. Bezüglich dieser Haltung gibt es keinen Unterschied zwischen männlichen und weiblichen Befragten.
6. Trotz großer Unterschiede in den persönlichen theologischen Haltungen wünschen sich mehr als zwei Drittel der orthodoxen Gläubigen von ihrer Gemeinde «Uniformität des Glaubens, der Praxis und der Weltanschauungen».
7. Orthodoxe Christen haben unterschiedliche Meinungen bezüglich der Kompatibilität von Evolutionstheorie und Kreationismus. Je ein Drittel ver- werfen bzw. unterstützen die kreationistische Lehre an öffentlichen Schulen, das übrige Drittel verhält sich zu dieser Frage «neutral oder unsicher».
8. Der Beruf des orthodoxen Priesters gilt unter amerikanischen Orthodoxen nicht als «Traumberuf», mehr als drei Viertel der Befragten würden jedoch eine solche Berufswahl ihrer Söhne unterstützen.
www.orthodoxinstitute.org/ orthodoxchurchtoday.html – R.Z.



