Armenische Apostolische Kirche zu den armenisch-türkischen Beziehungen

Ende September haben sich das Oberhaupt der Armenischen Apostolischen Kirche, Katholikos Garegin II., und der armenische Präsident Serge Sarkissjan zu einem Gespräch über die jüngste Entwicklung der armenisch-türkischen Beziehungen getroffen.

Diese hat in beiden Ländern sowie der armenischen Diaspora heftige Debatten ausgelöst.

Am 10. Oktober hatten beide Staaten in Zürich zwei Protokolle über die Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen, die seit 1993 wegen des Konflikts um Berg Karabach unterbrochen gewesen waren, sowie die erneute Öffnung der Grenzen unterzeichnet. Der Katholikos informierte den Präsidenten darüber, dass sich das Oberste Geistliche Gericht der Armenischen Apostolischen Kirche an seiner nächsten Sitzung mit den beiden Dokumenten auseinandersetzen und öffentlich dazu Stellung nehmen werde. Präsident Sarkissjan teilte Garegin II. seine Absicht mit, die größten Zentren der armenischen Diaspora in Paris, New York, Los Angeles, Beirut sowie Rostov am Don aufzusuchen und sich den kritischen Rückfragen der Diaspora-Armenier zu stellen. Er wolle deren Vorschläge in seine Überlegungen und Entscheidungen einfließen lassen. Der Wiederannäherungsprozess habe eine erste Hürde genommen. Die öffentliche Diskussion solle zur Grundlage für weitere Verhandlungen werden. «Natürlich» gebe es «emotionale Momente », da überwältigend viele Armenier Nachfahren der Genozid-Opfer seien. Außerdem befänden sich in der Türkei «unsere Heiligtümer, unsere Kirchen, unsere Hauptstädte, und für viele auch das, was von den Häusern ihrer Großeltern übrig blieb». Er persönlich verstehe das alles sehr gut, weil er selbst ständig gegen seine Emotionen ankämpfe. Dennoch sei er von der Notwendigkeit einer breiten Diskussion überzeugt.

Der Katholikos begrüßte die Initiative des Präsidenten, die armenische Diaspora in die Diskussion einzubinden - schließlich sei sie integraler Bestandteil des armenischen Volkes und solle die Möglichkeit erhalten, dem armenischen Präsidenten ihre Bedenken und Überlegungen vorzutragen sowie seinen Standpunkt persönlich kennen zu lernen. Am Schluss segnete er den Präsidenten für sein Vorhaben. www.religio.ru, 25. September 2009 - O.S.

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