Papst Benedikt XVI. empfängt Erzbischof Ilarion von Volokolamsk
Papst Benedikt XVI. hat am 18. September in Castel Gandolfo den Chef des Kirchlichen Außenamtes der Russischen Orthodoxen Kirche, Erzbischof Ilarion (Alfeev) von Volokolamsk empfangen. Es war der erste Besuch von Erzbischof Ilarion in Rom in seiner neuen Funktion als Leiter des Kirchlichen Außenamtes.
Im Zentrum des Treffens standen der ungelöste Konflikt um die Griechisch-Katholische Kirche in der Ukraine sowie die Möglichkeiten zur Zusammenarbeit von katholischer und orthodoxer Kirche. Nach dem Gespräch erklärte Erzbischof Ilarion gegenüber der Presse, die ökumenischen Beziehungen zwischen den beiden Kirchen hätten sich wesentlich verbessert. So könnten sich Katholiken und Orthodoxe intensiver den ethischen Herausforderungen der Gegenwart stellen, in der das gemeinsame Zeugnis besonders wichtig sei. Beide Kirchen teilten Standpunkte zu ethischen Fragen wie Familie, Mutterschaft, Abtreibung und Euthanasie. Dagegen bestünden wesentliche Unterschiede zu zahlreichen protestantischen Denominationen, die den Weg der Liberalisierung der christlichen Lehre eingeschlagen hätten. So gewinne die orthodox-katholische Zusammenarbeit bei der Ausarbeitung einer gemeinsamen Position zu ethischen Gegenwartsfragen besondere Bedeutung. Erzbischof Ilarion hob hervor, dass die Russische Orthodoxe Kirche das Engagement des Papstes für die christlichen Werte befürworte und ihn unterstütze - «auch dann, wenn seine mutigen Aussagen negative Reaktionen hervorrufen und öffentlich angefeindet oder von einigen Medien sogar verfälscht werden. Wir sind davon überzeugt, dass er verpflichtet ist, Zeugnis für die Wahrheit abzulegen, deshalb stehen wir ihm nah, auch dann, wenn seine Worte auf Widerstand stoßen».Ein Treffen zwischen Papst Benedikt XVI. und Patriarch Kirill schloss Erzbischof Ilarion vorläufig aus. Er hege jedoch große Hoffnung, dass es dazu kommen werde. Auf beiden Seiten bestehe der Wunsch, diese Begegnung «mit großer Sorgfalt» vorzubereiten, allerdings zeichneten sich bisher «weder Zeit noch Ort» ab. Als erstes müssten die ökumenischen Spannungen in der Ukraine gelöst werden. Erzbischof Ilarion räumte ein, dass die Unterdrückung und Enteignung der Griechisch-Katholischen Kirche in der Ukraine zu Sowjetzeiten ein schweres Unrecht war. Unrecht sei jedoch auch die gewaltsame Inbesitznahme orthodoxer Gotteshäuser und Klöster durch die Griechisch-Katholische Kirche gewesen. In vielen westukrainischen Städten hätten die Orthodoxen keine Kirchen mehr. Es müssten «dringend praktische Schritte zu einer grundlegenden Verbesserung der Situation in der Westukraine getan werden ». Von katholischer Seite solle man daher keine Anstrengungen scheuen, um die ukrainische Frage «von der Tagesordnung der bilateralen Beziehungen» zu entfernen, auch wenn sie «tiefe historische Wurzeln» habe.
Erzbischof Ilarion führte auch Gespräche mit Staatssekretär Tarcisio Kardinal Bertone und mit dem Präsidenten des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, Kardinal Walter Kasper. Im Gespräch mit Kardinal Bertone äußerte Erzbischof Ilarion die Hoffnung, dass die katholische Kirche in Ländern des «kanonischen Territoriums » der Russischen Orthodoxen Kirche - womit im Wesentlichen das Gebiet der ehemaligen Sowjetunion gemeint ist - regelmäßige «Konsultationen» mit den russisch-orthodoxen Bischöfen abhalte. Seine Kirche unterhalte ihrerseits in den traditionell katholischen Ländern «freundliche Kontakte». Bei der Begegnung mit Kardinal Kasper betonten beide Seiten, dass das Verhältnis zwischen katholischer und Russischer Orthodoxer Kirche auf einer «festen Basis von Verständnis und Respekt» stehe. Vor allem im Bereich der Ethik bestehe der Wille nach weiterer Zusammenarbeit. In einem Interview mit Radio Vatikan berichtete Kardinal Kasper, bei dem Treffen sei es auch um die Schaffung einer gesamteuropäischen orthodoxen Institution als Dialogpartnerin für den «Rat der Europäischen Bischofskonferenzen» (CCEE) gegangen. Kardinal Kasper unterstrich, dass sich die Beziehung zwischen Moskau und Rom in den letzen Jahren stark verbessert hätten.
www.kathpress, at, 21. September; www.portal-credo.ru, 22. September; www.religare.ru, 21. Sepember 2009 - O.S.