Russische Baptisten gegen Religionskundeunterricht

Der Präsident der «Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten» (RUEChB), Jurij Sipko, hat in einem Interview mit «Portal-Credo.Ru» die Einführung des Schulfachs «Geistlichmoralische Erziehung» als Pflichtfach an öffentlichen Schulen scharf kritisiert. Staat und Gesellschaft in Russland seien derart stark in Lüge und Korruption verstrickt, dass sie gar nicht imstande seien, der jüngeren Generation moralische Werte zu vermitteln. Es herrsche zwar die Meinung, dass die «Kinder religiöse Geheimnisse sowie geistliche und ethische Normen in sich aufnehmen werden, doch diese haben sich weder Eltern noch Lehrer ange- eignet. Das trifft auch für die Diener der Kirche zu.»

Die größte Gefährdung der eigenen Jugend sieht Sipko daher auch in der «ungeistlichen und unmoralischen Haltung der eigenen Gesellschaft »: «Jene, die Gesetze verfassen und vollstrecken, verstoßen ungestraft gegen dieselben.» Außerdem verstoße die Einführung von Maßnahmen, die die Orthodoxie begünstigten, gegen die in der Verfassung verankerte Gleichstellung der Religionen: Moral lasse sich nicht mit unmoralischen Mitteln durchsetzen. Sipko vermutet, die Schule werde «mit der Religion das machen, was sie bereits mit der kommunistischen Ideologie getan hat: Wegen der Massenanwendung wurde eine ganze staatliche Ideologie zum Gespött, das wirkte sich zersetzend auf die Seelen der Kinder aus». Die religiöse Bildung des zaristischen Russlands «brachte den Menschen den Hass auf die Religion bei. Schließlich haben Menschen, die den Religionsunterricht durchlaufen hatten, die Kirchen, die heiligen Bücher und sogar die Geistlichen selbst vernichtet.» Deshalb plädiert Sipko dafür, dass Eltern ihre Erziehungspflicht auch in religiösen Belangen selbst wahrnehmen.

Dr. William Yoder, Abt. für kirchliche Außenbeziehungen der RUEChB, Moskau, 24. September 2009 - O.S.

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