Frankreich: Vormaliges Pariser Exarchat zerbricht

Das Erzbistum der orthodoxen Gemeinden russischer Tradition in Westeuropa ist offiziell in die Russische Orthodoxe Kirche (ROK) aufgenommen worden.

Dies hat der Hl. Synod der ROK an seiner Sitzung vom 7. Oktober entschieden und ist so auf eine entsprechende Bitte des Erzbistums eingegangen. Bis Ende 2018 war das Erzbistum mit Sitz in Paris ein Exarchat des Ökumenischen Patriarchats gewesen, als Konstantinopel überraschend beschloss, das Exarchat aufzulösen. 
Nachdem eine Generalversammlung des Erzbistums am 7. September die nötige Zweidrittelmehrheit für den Beitritt zur ROK verpasst hatte, war Erzbischof Jean (Renneteau), das Oberhaupt des Pariser Exarchats, auf eigenen Wunsch in die ROK aufgenommen worden. Bei einer Pastoralversammlung am 28. Septemberunterstützte eine große Mehrheit der Geistlichen Jeans Entscheidung und sprach sich dafür aus, ihm ins Moskauer Patriarchat zu folgen. Dabei wurden die gemeinsam erarbeiteten Bedingungen für die Integration in die ROK noch einmal präsentiert und diskutiert. 
Erzbischof Jean zeigte sich in einem Hirtenbrief erfreut über den Schritt und darüber, dass sich rund 60 Gemeinden der Integration anschließen wollen. In Bezug auf die zwölf Gemeinden, die sich der griechischen Metropolie von Frankreich oder England unterstellen wollen, hofft er, sie würden ihren Entscheid überdenken, wenn sich erst einmal die Aufregung gelegt hat. Außerdem skizzierte Jean die nächsten Schritte für das Erzbistum, so hat er dessen Rat für den 21. Oktober einberufen, um die Entscheidung des Moskauer Patriarchats zu prüfen und mit der Vorbereitung einer ordentlichen Generalversammlung zu beginnen. Diese sei zentral, da nun ein Bischofsrat für das Erzbistum eingerichtet werden könne und daher zwei Auxiliarbischöfe gewählt werden müssen. Diese Wahl sei seit Jahren durch Konstantinopel blockiert worden, was Jean angesichts seines fortgeschrittenen Alters mehrfach kritisiert hatte.
Die ROK bestätigte nach dem Entscheid des Hl. Synods erneut die Absicht, die Besonderheiten des Erzbistums zu respektieren. So soll es seine theologischen und pastoralen Eigenheiten und Traditionen behalten. Zudem wird es seine finanzielle Unabhängigkeit behalten und für seinen Besitz entsprechend den Gesetzen der Länder, in denen es tätig ist, verantwortlich bleiben. Am 3. November sollen Vertreter des Erzbistums und der ROK in Moskau eine Vereinbarung über die Unterstellung unter die Jurisdiktion des Moskauer Patriarchats unterzeichnen.
Metropolit Ilarion (Alfejev), der Leiter des Außenamts des Moskauer Patriarchats, verglich die Eingliederung des Erzbistums mit derjenigen der Russischen Orthodoxen Kirche im Ausland 2007 und unterstrich die Bedeutung dieses Schritts. Nun werde ein weiterer Teil der russischen Auslandskirche mit dem Moskauer Patriarchat vereint und damit der „Prozess der Wiedervereinigung der russischen Diaspora mit der Mutterkirche“ abgeschlossen.
Einige Mitglieder des Rats des Erzbistums haben dessen Klerus verlassen, um sich der Rumänischen Orthodoxen Kirche oder den griechischen Metropolien von England und Frankreich zu unterstellen. Diese wurden gemäß der Statuten von ihren Ämtern im Rat mit sofortiger Wirkung enthoben. Am 5. Oktober trafen sich Geistliche und Gläubige des Erzbistums, die beim Ökumenischen Patriarchat bleiben wollen, in Paris. Geleitet wurde das Treffen von Metropolit Emmanuel (Adamakis), dem Vorsteher der französischen Metropolie Konstantinopels. Sie diskutierten die künftige Organisation der Gemeinden des Erzbistums innerhalb der Metropolie. Emmanuel hat in den letzten Monaten mehrfach vorgeschlagen, ein eigenes Vikariat einzurichten.

noek.info, 10.10.2019

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