Rumänischer Patriarch Daniel: Orthodoxe Kirchen sollten enger zusammenarbeiten

Das Oberhaupt der Rumänischen Orthodoxen Kirche, Patriarch Daniel (Ciabotea) erklärte, dass die Rumänische Orthodoxe Kirche vom neuen russischen Patriarchen eine Fortsetzung des pastoralen und missionarischen Werks seines Vorgängers erwarte. Angesichts der Weltwirtschaftskrise müssten die orthodoxen Kirchen ihre Bande noch enger knüpfen und die gegenseitige Zusammenarbeit und den Dialog intensivieren. Patriarch Daniel zufolge sind die «Kontinuität in den interorthodoxen Beziehungen» und der Wille, «gemeinsam Zeugnis abzulegen vor den säkularen Gesellschaften, in denen wir leben», besonders wichtig. Die orthodoxen Kirchenoberhäupter sollten regelmäßig zu Gesprächen zusammenkommen und «sich nicht nur an Beerdigungen oder Inthronisierungen von Kirchenoberhäuptern treffen». Die Rumänische Kirche habe deshalb wiederholt vorgeschlagen, dass die orthodoxen Kirchenführer alle drei Jahre zu gemeinsamen Arbeitstreffen zusammenkommen sollten, um zu zeigen, dass orthodoxe Gemeinschaftlichkeit (sobornost) brüderliche Kommunion und Aufgabenteilung bedeute. Stärker noch als in der Vergangenheit geschehen, müsse man die Autonomie und die Mitverantwortung der Lokalkirchen fördern sowie gleichzeitig panorthodoxe Solidarität bekunden und einander Hilfe leisten: «Da die verschiedenen orthodoxen Kirchen nicht das gleiche wirtschaftliche und soziale Gewicht haben, würden regelmäßigere Konsultationen und eine effizientere Zusammenarbeit der Gesamtorthodoxie sowohl auf nationaler wie auf internationaler Ebene generell mehr Glaubwürdigkeit verleihen. [...] Diese panorthodoxen Treffen könnten abwechselnd in den einzelnen Ländern stattfinden, z. B nach der kanonischen Ordnung oder den jeweiligen materiellen Möglichkeiten. Wie dem auch sei - wir müssen unsere Beratung und Zusammenarbeit intensivieren. Deshalb wäre es wichtig, eine gemeinsame Zeitschrift oder ein pastorales, missionarisches oder liturgisches Institut zu haben. Dorthin könnte man Theologen einladen, die nach Lösungen suchen, um die Annäherung zwischen den Kirchen voranzubringen.»

Auch zur Beziehung der orthodoxen Kirchen zur modernen Welt nahm Patriarch Daniel Stellung: «Die moderne Welt ändert sich extrem schnell, also müssen auch wir viel häufiger zu Beratungen zusammenkommen. Jede unserer Kirchen verfügt über eigene Medien - Fernsehen, Radio, Zeitungen, Presseagenturen, etc. -, dennoch haben sie in den jeweiligen Gesellschaften einen unterschiedlichen Stand. Der Rumänischen Orthodoxen Kirche etwa ist es in Zusammenarbeit mit dem Staat gelungen, dass Religionsunterricht an öffentlichen Schulen stattfindet, und der Staat bestimmte Bereiche finanziert, da er von der positiven Rolle der Kirche in der Gesellschaft überzeugt ist. Doch dies gilt bei weitem nicht für alle orthodoxen Kirchen. In Russland, der Republik Moldau oder der Ukraine findet gar kein Religionsunterricht an öffentlichen Schulen statt. Indem wir einander beraten und zusammenarbeiten, könnten wir unter Beweis stellen, dass die Orthodoxie nicht aus isolierten Einzelkirchen besteht, sondern eine echte Familie mit einem echten missionarischen Bewusstsein ist.» Zu den bilateralen Beziehungen zwischen der Rumänischen und Russischen Orthodoxen Kirche sagte Patriarch Daniel mit Hinweis auf die jurisdiktionellen Probleme in der Republik Moldau (s. G2W 3/2008, S. 22f.), es sei «unser Recht und unsere Pflicht, uns um unsere Gläubige im Ausland zu kümmern». Abgesehen davon gebe es «zahlreiche Gemeinsamkeiten, über die sich eine gemeinsame Zusammenarbeit anbietet. Im heutigen Europa müssen wir gemeinsam Zeugnis ablegen - auch in den internationalen Organisationen. Wir können dauerhafte, glaubwürdige und überzeugende Beziehungen aufbauen, die nicht auf Subordination, sondern auf gegenseitigem Respekt gründen.»

SOP Nr. 334, Januar 2009 - O.S.

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