Russlands Präsident Dmitrij Medvedjev zum Tode von Patriarch Alexij II.

«Ein schwerer Schicksalsschlag hat unser Land und unsere Gesellschaft getroffen – Patriarch Alexij II. von Moskau und ganz Russland ist verstorben. Er war nicht nur eine überragende Gestalt des religiösen Lebens, eine wahre spirituelle Persönlichkeit – er war ein großer Bürger Russlands. Ein Mann, in dessen Schicksal sich die bittersten Prüfungen unseres im 20. Jahrhundert an Krisen so reichen Landes widerspiegeln. Ein wahrer Hirte, der sein ganzes Leben ein Vorbild geistlicher Standhaftigkeit und menschlicher Großtaten war. Seiner Herde stand er zur Seite – in Zeiten der Verfolgung und in Zeiten der Wiedergeburt des Glaubens. Mit niemand anderem als ihm und seinem Namen sind der Aufschwung der Russischen Orthodoxen Kirche sowie die tatsächliche Umsetzung der Prinzipien der Gewissens- und Religionsfreiheit verbunden. Und damit natürlich auch ziviler Frieden und Eintracht in einem so multinationalen und multikonfessionellen Land wie Russland. Das außerordentliche Format und die Persönlichkeit des Patriarchen übten enormen Einfluss auf das geistige Leben und den moralischen Zustand der russischen Gesellschaft aus. Er predigte Werte, die uns alle einen und für uns alle gültig sind – Humanismus, das Gute, Barmherzigkeit. Er rief zu gegenseitigem Respekt, zu Toleranz und Vertrauen zwischen Menschen unterschiedlichen Glaubens und unterschiedlicher Traditionen auf. Er initiierte den Dialog zwischen den Kirchen und den Völkern. Durch sein Reden und Handeln versöhnte er unterschiedlichste Meinungen. Und er stellte sich in den Dienst der Einigung der ganzen russländischen Nation. Unter seiner Leitung wurde die Kirche zu einer der maßgeblichen Institutionen, die mit dem Staat fruchtbar zusammenarbeiten. Das Moskauer Patriarchat gewann nicht nur in Russland an Respekt und Ansehen, sondern auch in der internationalen religiösen Gemeinschaft. Gleich in den ersten Tagen seines Wirkens als Patriarch bemühte sich Alexij II. um Überwindung der tragischen Spaltung der Russischen Orthodoxen Kirche und ihre Wiedergeburt in ursprünglicher Fülle und Erhabenheit. Dass die Wiedervereinigung stattfand – darin liegt sein großes persönliches Verdienst. – Dass der Heiligste Patriarch von Moskau und ganz Russland selbstlos seinen pastoralen Dienst versah, beweist, dass ihm nicht nur seine Verantwortung für die Kirche, sondern für ganz Russland bewußt gewesen ist. Wir alle trauern tief um seinen Tod, der auch für mich persönlich ein schwerer Verlust ist. Wir werden seiner geistlichen Hilfe, seiner Weisheit und grenzenlosen Hingabe an sein Land und sein Volk stets gedenken. Seine Unterstützung werden wir immer spüren. Ewiges Gedenken!»

 

www.portal-credo.ru, 5.Dezember 2008 – O.S

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