Slowakische und ungarische Bischöfe rufen zum Dialog auf
Die katholischen Bischöfe der Slowakei und Ungarns haben sich in getrennten, aber aufeinander abgestimmten Erklärungen zu den im November 2008 wieder einmal offen ausgebrochenen Spannungen zwischen beiden Ländern geäußert. Beide Seiten verurteilten dabei jeglichen Extremismus und riefen zum Dialog der Konfliktparteien auf.
Der Vorsitzende der Slowakischen Bischofskonferenz, Bischof František Tondra von Spiš, erklärte in seinem „Aufruf zur Beruhigung der Beziehungen zwischen der Ungarischen und Slowakischen Republik", er verfolge „mit wachsenden Befürchtungen die zugespitzten Beziehungen" zwischen beiden Ländern. Als Vorsitzender der Slowakischen Bischofskonferenz rufe er „nach Beratung mit einigen Bischöfe alle Menschen guten Willens auf, es möge ein jeder zur wechselseitigen Verständigung zwischen beiden Völkern beitragen." Alle sollten sich von „jeglichen extremistischen Äußerungen distanzieren".
Im Antwortschreiben des „Ständigen Rates der Ungarischen Bischofskonferenz" heißt es, man habe die Erklärung des Vorsitzenden der Slowakischen Bischofskonferenz erhalten und würdige dessen Stellungnahme „in Weiterverfolgung des zwischen den beiden Bischofskonferenzen im Jahr 2006 eingeleiteten Versöhnungs- und Kooperationsprozesses". Die damaligen Schritte seien in Übereinstimmung mit dem Brief des Heiligen Vaters" erfolgt, den dieser anlässlich des Versöhnungsgottesdienstes beider Bischofskonferenzen in Esztergom im Jahre 2006 verfasst habe (s. G2W 10/2006, S. 10). Der Ständige Rat fordere „alle Menschen guten Willens" auf, es möge jeder nach seinen Möglichkeiten „Gewalt und hasserfüllte Provokationen zwischen den Völkern zurückweisen". Es sei gemeinsame Aufgabe, zum Zusammenleben von Ungarn und Slowaken im Zeichen von Hoffnung, Versöhnung und Liebe beizutragen.
Anlass der jüngsten Spannungen zwischen Ungarn und der Slowakei war das gewaltsame Ende eines Fußballsspiels im November 2008. Bei der Begegnung einer Mannschaft aus Bratislava mit einem Team aus dem Gebiet der ungarischen Minderheit in der Slowakei musste die Polizei die Tribünen räumen und verhaftete mehrere mutmaßliche rechtsradikale Hooligans. Ungarische Politiker warfen der slowakischen Polizei daraufhin vor, unangemessen hart gegen ungarische Fans vorgegangen zu sein. Tags darauf gab es eine Demonstration vor der slowakischen Botschaft in Budapest, bei der Teilnehmer slowakische Fahnen verbrannten.
Begleitet wurden die Auseinandersetzzungen von „diplomatischen Scharmützeln": Während Bratislava Budapest vorwarf, dem Treiben neonazistischer Gruppierungen nur zuzusehen und deren anti-slowakische Aktivitäten zu tolerieren, beschwerte sich die ungarische Regierung über die regelmäßigen Ausfälligkeiten aus der Slowakei an die Adresse Ungarns - namentlich vom Vorsitzenden der an der Regierung beteiligten rechten „Slowakischen Nationalpartei" (SNS), Ján Slota. Dieser hatte mit Blick auf die Ungarn vor einem neuen „Mongolensturm" gewarnt.
Unterdessen erklärte der slowakische Stv. Minister für Minderheitenfragen, Dušan ?aplovi?, im Gespräch mit dem christlichen Sender „Radio Lumen", der Aufruf der slowakischen Bischöfe sei „zum rechten Zeitpunkt" erfolgt. Er wolle „persönlich an diese Stellungnahme anknüpfen", da er selber gerade bilaterale Verhandlungen mit den zuständigen ungarischen Regierungsvertretern für Minderheitsfragen vorbereite.
Selbstkritisch über das slowakische Verhalten gegenüber den Ungarn im eigenen Land äußerte sich im Fernsehen der frühere katholische Dissident und spätere slowakische Parlamentspräsident František Mikloško. Die „Hysterie" in der Ungarnfrage sei zu Beginn der 90er Jahre vor allem von der „Slowakischen Nationalpartei" und dem Kulturverband „Matica slovenska" geschürt worden. Er befürchte, dass sich die Spannungen angesichts der bevorstehenden Wahlen noch verschärfen würden.
www.kathpress.at, 11. November; NZZ, 16. November 2008 - S.K.