Bischof Diomid definitiv abgesetzt und zum einfachen Mönch herabgestuft

Unter dem Vorsitz von Patriarch Alexij II. hat der Hl. Synod der Russischen Orthodoxen Kirche an seiner Sitzung vom 6. Oktober 2008 die endgültige Absetzung von Bischof Diomid (Dzjuban, *1961) von Anadyr und Tschukotka beschlossen und ihn in den Stand eines einfachen Mönches versetzt. Damit bestätigte er eine Entscheidung des Bischofskonzils der Russischen Kirche vom 24. bis 27. Juni 2008: Dieses hatte Bischof Diomid in absentia seines Amtes als Oberhaupt der Eparchie Tschukotka enthoben, ihm Zelebrierverbot auferlegt und ihm gedroht, er werde suspendiert und zum einfachen Mönch herabgestuft, falls er hinsichtlich seiner „antikanonischen Akte, Verleumdungen seiner Hierarchie und der Verbreitung von Lügen sowie Anstiftung zum Schisma" dem Hl. Synod bis zur Sitzung am 6. Oktober 2008 keine Reue-Erklärung übermittle - was nicht geschah. Zudem war Bischof Diomid wiederholten Aufforderungen, vor dem Bischofskonzil sowie dem Hl. Synod zu erscheinen, nicht nachgekommen.

Seit Februar 2007 hatte Bischof Diomid im Rahmen zahlreicher umfangreicher Artikel öffentlich massive Kritik an der Führung des Moskauer Patriarchats geübt und damit ein enormes Echo ausgelöst: Er warf der Kirchenleitung vor, sie habe angesichts ihrer Kollaboration mit der Sowjetmacht und ihres Schweigens zum Mord der Bolschewiki an der Zarenfamilie keine oder nur ungenügend Buße getan. Und auch der jetzigen Staatsmacht stünde das Moskauer Patriarchat viel zu nahe. Die Entscheidungen des Landeskonzils von 1917/18 über die Beteiligung der Laien am kirchlichen Leben habe sie nie umgesetzt [auch nicht nach dem Sturz des Kommunismus - G2W]. Mit ihrer Mitgliedschaft im Weltkirchenrat und ihrem Dialog mit den „Heterodoxen" (= Nicht-Orthodoxen) fröne sie „der Häresie des Ökumenismus und Globalismus". Und überhaupt müsse das „Außenamt der Russischen Kirche" abgeschafft werden. Die für Orthodoxe einzige akzeptable Staatsform sei die Monarchie. Hingegen sei die Demokratie des Teufels - genau wie Strichcodes oder biometrische Pässe, Mobiltelefone und Internet (wobei übrigens Diomid das Internet zur Verbreitung seiner Kampfreden weidlich nutzt). Am 17. Juli hatte der abgesetzte Bischof Diomid den Patriarchen Alexij II., den Metropoliten Kirill (Gundjaev) und weitere Hierarchen mit dem Anathema belegt.

Nachfolger Diomids auf dem Bischofssitz von Tschukotka wurde Erzbischof Mark (Tužikov, *1961) von Chabarovsk, der inzwischen eine Reihe von Maßnahmen gegen die Mitstreiter des abgesetzten Bischofs ergriffen hat: Vier Priester wurden wegen „Diffamierung, Gehorsamsverweigerung dem kanonischen Bischof gegenüber und wegen Organisierung eines Skandals in der Kirche" ihres Amtes enthoben, während die Laien, „die in Kommunion mit diesen Priestern stehen", exkommuniziert wurden. Gegen Diomid läuft inzwischen ein Strafverfahren wegen „Veruntreuung und Unterschlagung".

Sich selbst sieht Diomid als Statthalter der vorrevolutionären Kirche und hat sich zum Vorsitzenden eines „Heiligsten Synods" ernannt, dem außer ihm selbst nur sein Bruder angehört. Seiner Gefolgschaft hat er verboten, an Gottesdiensten im Rahmen des Moskauer Patriarchats teilzunehmen.

 

SOP Nr. 332, November; www.religio.ru, 6.-7. November; www.portal-credo.ru, 10. November 2008 - O.S.

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