Athos-Mönche in Immobilienskandal verwickelt
Das griechische Athos-Kloster Vatopedi und sein aus Zypern stammender Abt Efraim stehen im Mittelpunkt eines Immobilienskandals, der seit mehreren Wochen die griechische Öffentlichkeit beschäftigt und die Regierung des Ministerpräsidenten Kostas Karamanlis schwer erschüttert. Efraim wird vorgeworfen, seine Verbindungen zur Regierung genutzt zu haben, um den angeblich dem Athos-Kloster gehörenden Vistonida-See (im Nordosten Griechenlands gelegen) gegen andere lukrative Liegenschaften zu tauschen - dabei sei der öffentlichen Hand ein Schaden von mindestens 100 bis 150 Mio. Euro entstanden.
Der Vistonida-See samt umliegenden Ländereien war dem Kloster angeblich 1080 vom byzantinischen Kaiser Nikiphoros III. übereignet worden. Der griechische Staat weigerte sich allerdings jahrzehntelang, die Eigentumsansprüche des Klosters anzuerkennen. Erst dem Geschick und den politischen Kontakten von Efraim (Abt seit 1990) ist es wohl zu verdanken, dass 1998 die damalige sozialdemokratische Regierung Verhandlungen über die Eigentumsrechte am Vistonida-See zustimmte. Ein Jahr später erkannte zwar die Regierung die Ansprüche des Klosters auf den 4500 ha großen See und die 2500 ha umliegenden Ländereien grundsätzlich an, doch wegen widersprüchlicher Rechtsgutachten zog sich die Kontroverse weiter hin. Mit dem Wahlsieg der derzeitigen konservativen Regierungspartei „Nea Dimokratia" unter Ministerpräsident Karamanlis 2004 kam erneut Bewegung in die festgefahrenen Verhandlungen. 2006 schließlich wurde ein außergerichtlicher Vergleich vereinbart: Das Kloster Vatopedi bekam zwar nicht den Vistonida-See überschrieben, da Anwohner und Fischer heftig gegen eine Überschreibung protestierten, aber den Mönchen wurden Immobilien und Ländereien aus Staatsbesitz in anderen Gegenden Griechenlands versprochen. Die Entschädigungssumme wurde auf 47 Mio. Euro für den See und 16 Millionen für die Ländereien angesetzt.
Im Zuge eines dubiosen Tauschgeschäftes übereignete der Staat in den Jahren 2006 bis 2008 dem Kloster rund 260 - meistens erstklassige städtische - Liegenschaften. Wie Kritiker bemängeln, wurde bei dem Tausch der vom Kloster beanspruchte See drastisch über-, die eingetauschten Flächen dagegen drastisch unterbewertet. Dies ergab einen Wertzuwachs um das Acht- bis Zehnfache. Allein das Filetstück eines Verwaltungsgebäudes im Olympischen Dorf, dessen Wert vor dem Tausch auf 19,9 Mio. Euro taxiert wurde, konnten die Mönche zu 41 Mio. Euro verkaufen. Den Gesamtverlust, der der öffentlichen Hand durch die Tauschaktion entstand, beziffern Experten mittlerweile auf mindestens 100 bis 150 Mio. Euro.
Im Zuge der Ermittlungen der Staatsanwaltschaft sind bisher zwei in den Immobilienskandal verwickelte Mitglieder der Regierung Karamanlis zurückgetreten: Handelsmarineminister Giorgos Voulgarakis und Regierungssprecher Theodoros Roussopoulos. Besonders Roussopoulos, einem engen Mitarbeiter des Ministerpräsidenten und engem Freund von Abt Efraim, wurde vorgeworfen, maßgeblich zum Zustandekommen des umstrittenen Immobiliengeschäftes beigetragen zu haben. Abt Efraim und sein Stellvertreter wurden vor einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss vorgeladen, verweigerten allerdings ihre Aussage.
www.kathpress.at, 30. Oktober;www. derstandard.at, 22. Oktober, 24. November 2008 - S.K.



