Zusammenschluss der lutherischen Heimatkirche und der Kirche in der Diaspora in Sicht

Bei Kriegsende, als die sowjetischen Armeen das Baltikum besetzten, flohen ca. 80.000 Esten und etwa die Hälfte der Pfarrerschaft: nach Skandinavien, nach Deutschland und England, viele wanderten nach Amerika und Australien weiter. Sehr bald wurden kirchliche Strukturen aufgebaut. Heute zählt die Estnische Evangelisch-Lutherische Kirche im Ausland, deren Erzbischof erst in Stockholm seinen Sitz hatte und nun in Toronto/Kanada, residiert, ca. 15.000 Gemeindeglieder in 49 Gemeinden, die von 34 Pfarrer/innen seelsorgerlich betreut werden. Nach dem Zerfall der Sowjetunion und der Wiedererrichtung der Eigenstaatlichkeit Estlands haben die lutherische Heimat- und die Auslandskirche eine intensive Zusammenarbeit aufgenommen. Mehr und mehr Pfarrerinnen und Pfarrer, die an theologischen Institutionen in Estland (Tallinn/Reval oder Tartu/Dorpat) ausgebildet worden waren, übernahmen den Dienst in den Auslandsgemeinden.
Nach entsprechenden Beschlüssen ihrer Synoden sind Vertreter beider Kirchen erstmals Ende Mai 2008 zu Sondierungsgesprächen zusammengetroffen. Ähnlich wie das Moskauer Patriarchat und die Russische Auslandskirche festgelegt haben, soll auch die Estnische lutherische Auslandskirche den Status eines eigenständigen Bistums der Ev.-Luth. Kirche Estlands erhalten. Die wichtigsten Gemeinden - in Schweden, in Deutschland, in Australien und Großbritannien - haben bereits für die Vereinigungsverhandlungen grünes Licht gegeben. Die Gemeinden in den USA und in Kanada jedoch haben um Aufschub gebeten. Zwei Drittel der Gemeinden müssen für eine so grundsätzliche Entscheidungen ihre Zustimmung geben.
Erzbischof Andres Põder, Tallinn/Reval, nannte in seinem Bericht vor der Synode der Heimatkirche folgende statistische Daten zum Jahre 2007: Die Heimatkirche zählte 39.540 (Kirchenbeitrag zahlende erwachsene) Glieder in 164 Gemeinden. Die Zahl der Taufen lag bei 2750 (10% mehr als im Vorjahr), die Zahl der Konfirmationen bei 2140. Seit Jahren sinkender Gemeindegliederzahlen sei nun ein Ende dieses Trends erkennbar. Es gebe mehr wachsende als schrumpfende Gemeinden.

 

GAW-Blatt, Herbst 2008, S. 14 - G.S.

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