In Russland lässt sich eine staatliche forcierte Militarisierung der Gesellschaft beobachten, worauf Ella Poljakova, die Leiterin der „Soldatenmütter von St. Petersburg“, und ihre Mitarbeitenden hinweisen. Um dieser Entwicklung entgegenzutreten, arbeiten die „Soldatenmütter“ zusammen mit ukrainischen und weißrussischen NGOs am Aufbau einer Online-Beratungsplattform zum alternativen Zivildienst. Zudem haben sie mit mehreren anderen russischen NGOs gegen das sog. „NGO-Agentengesetz“ vor dem Menschenrechtsgerichtshof in Straßburg geklagt.
Das vor drei Jahren verabschiedete Gesetz über die nicht-kommerziellen Organisationen („NGO-Agentengesetz“) ist im letzten Jahr noch einmal verschärft worden. Zahlreiche NGOs wurden durch eine beispiellose Überprüfungswelle durch die staatlichen Behörden in ihrer Arbeit behindert. Mittlerweile sind über 50 NGOs in das sog. „Register der ausländischen Agenten“ eingetragen. Dazu zählen auch die „Soldatenmütter von St. Petersburg“, eine Partnerorganisation von G2W.
Auf viele zivilgesellschaftliche Organisationen in Russland wird seitens der Behörden nach wie vor großer Druck ausgeübt, wie Ella Poljakova, die Leiterin der „Soldatenmütter von St. Petersburg“, und ihre Mitarbeitenden berichten. Angesichts der prekären Lage fokussieren die Soldatenmütter auf eine Stärkung des Rechtsbewusstseins in der russischen Gesellschaft. Dank der neuen Medien kann die Organisation nun auch verstärkt Stellungspflichtige und Soldaten in entfernteren russischen Regionen beraten.
Die „Soldatenmütter von St. Petersburg“ stehen aufgrund ihrer Menschenrechtsarbeit momentan unter enormem politischen Druck. Mit der Leiterin der NGO, Ella Poljakova, der stellv. Geschäftsführerin Olga Alekseeva, der Projektkoordinatorin Oxana Paramonova sowie den beiden Juristen, Alexander Gorbatschov und Anton Scherbak, hat Regula Spalinger, die Projektverantwortliche von G2W, über den Eintrag der Organisation in das sog. „Agentenregister“, die Beteiligung russischer Soldaten am Krieg in der Ostukraine und die aktuellen Programme der „Soldatenmütter“ gesprochen.
Die „Soldatenmütter von St. Petersburg“ sind eine der bekanntesten Menschenrechtsorganisationen in Russland. Ein Gespräch über die wechselhafte Politik des Staates gegenüber Menschenrechtsorganisationen und die Situation von Wehrdienstleistenden in Russland mit der stellv. Geschäftsführerin Olga Alekseeva, dem Pressesekretär Alexander Peredruk, der Projektkoordinatorin Oxana Paramonova sowie den beiden Juristen Alexander Gorbatschov und Anton Scherbak.
Gemessen an seiner Gesamtbevölkerung hat Russland eine der höchsten Strafgefangenenraten weltweit. Staatliche Wiedereingliederungsprogramme für Strafgefangene nach der Haftentlassung fehlen gänzlich, so dass viele ehemalige Häftlinge erneut straffällig werden. Das zweistufige Rehabilitationszentrum in Ponazyrevo, Gebiet Kostroma, unterstützt Strafgefangene bei ihrer gesellschaftlichen Wiedereingliederung. Geleitet wird das Rehabilitationszentrum von Erzpriester Evgenij Ketov, der seit zehn Jahren die Strafkolonie IK-2 von Ponazyrevo betreut und Vorsteher der dortigen Gefängniskirche ist. Zudem wirkt er als Priester der Gemeindekirche von Ponazyrevo, eines Ortes mit 4000 Einwohnern. Vor wenigen Jahren hat er bei seiner Gemeindekirche ein eigenes Rehabilitationszentrum ins Leben gerufen, damit die Strafgefangenen nach der Haftentlassung eine Stelle haben, an die sich wenden können.




















